Potenzial für die Psychotherapie: LSD dämpft Angstempfinden

Nach seiner Entdeckung durch den Basler Chemiker Albert Hofmann stand LSD für therapeutische Zwecke im Interesse der Psychiatrie. Erst in jüngerer Zeit wird es dahingehend weiter erforscht. Basler Forscher berichten nun, wie die Substanz Angstgefühle reduziert.
05.04.2017 08:45

In den 1960er Jahren wurde LSD für illegal erklärt, und die Forschung an der Substanz für therapeutische Zwecke kam grösstenteils zum Erliegen. Seit einigen Jahren ist das Interesse an Halluzinogenen als mögliche Ergänzung zur Therapie psychischer Erkrankung aber wieder erwacht.

Forschende der Universitären Psychiatrischen Kliniken und des Unispitals Basel haben die Hirnaktivität von 20 Probanden untersucht, nachdem diese 100 Mikrogramm LSD eingenommen hatten. Im funktionellen Magnetresonanztomografen zeigten sie den Studienteilnehmenden Bilder von Gesichtern, die verschiedene Gefühle wie Wut, Freude oder Angst ausdrückten.

Das Team um Stefan Borgwardt stellte dabei fest, dass die angsterfüllten Gesichter nach Einnahme von LSD eine niedrigere Aktivität im Mandelkern des Gehirns auslösten als im Regelfall. Diese Hirnregion steht im Zusammenhang mit der Verarbeitung von Emotionen, wie die Uni Basel in einer Mitteilung schrieb.

Die Wissenschaftler stellten weiterhin fest, dass sich mit der reduzierten Aktivität in diesem Hirnareal zumindest ein Teil der LSD-verursachten Veränderung des emotionalen Erlebens erklären lässt: Je stärker die Probanden den Effekt der Droge werteten, desto geringer war auch die Aktivität ihres Mandelkerns unter LSD im Vergleich zu normal.

"Diese 'entängstigende' Wirkung könnte ein wichtiger Faktor für positive therapeutische Effekte darstellen", sagte Studienautor Felix Müller gemäss der Mitteilung. Weitere Studien sollten diesen und weitere Effekte aufs Gehirn und ihr Potenzial für die Psychotherapie genauer entschlüsseln.

LSD bindet an eine Andockstelle des Neurotransmitters Serotonin. Wie genau das Halluzinogen die Hirnaktivität und das Bewusstsein verändert, ist Gegenstand der Forschung. Die aktuelle Studie ist im Fachblatt "Translational Psychiatry" erschienen.

(SDA)