Präsidentschaftswahl in Afghanistan begonnen - Angst vor Anschlägen

Inmitten zunehmender Gewalt durch die radikal-islamischen Taliban hat am Samstag die Präsidentschaftswahl in Afghanistan begonnen. Bilder in sozialen Medien zeigten Menschen, die ihre Stimme abgaben oder vor Wahllokalen warteten.
28.09.2019 05:15

Als aussichtsreichster Kandidat neben Amtsinhaber Aschraf Ghani gilt dessen Regierungschef und langjähriger Rivale Abdullah Abdullah. Der 70-jährige Ghani und der 59-jährige Abdullah teilen sich seit der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Wahl 2014 gezwungenermassen die Macht. Sie sind sich aber eher in gegenseitiger Missgunst verbunden.

Die Wahllokale sind bis 15.00 Uhr lokaler Zeit (12.30 Uhr MESZ) geöffnet. Mit Ergebnissen der Wahl wird nicht vor dem 19. Oktober gerechnet. Sollte keiner der insgesamt 18 Kandidaten im ersten Anlauf mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, ist für November eine Stichwahl vorgesehen.

Die Taliban kontrollieren unterdessen mehr Territorium in Afghanistan als zu irgendeinem Zeitpunkt seit ihrem Sturz durch die USA im Jahr 2001. Sie drohten mit Anschlägen und forderten die Bevölkerung auf, die Wahl zu boykottieren. Eine Einigung zwischen den USA und den Taliban, die in ein Friedensabkommen zwischen der Regierung in Kabul und den Islamisten hätte münden können, war kürzlich nach langen Verhandlungen gescheitert.

Für die Wahl am Samstag haben sich trotz der Drohungen der Taliban 9,7 Millionen der schätzungsweise 34 Millionen Afghanen registrieren lassen. Mehr als 100'000 Sicherheitskräfte sollen Zwischenfälle während der Abstimmung verhindern. Dennoch gehen Experten davon aus, dass Hunderte Wahllokale in Schulen und Moscheen wegen der Drohungen der Taliban geschlossen bleiben werden.

In der Hauptstadt Kabul wurden der Verkehr weitgehend eingeschränkt und zusätzliche Kontrollposten errichtet. Lastwagen und Kleinlaster dürfen bereits seit Donnerstagnachmittag nicht mehr in die Stadt.

Der Wahlkampf war von Manipulationsvorwürfen und von Gewalt überschattet. Die Taliban hatten unter anderem einen Autobomben-Angriff auf das Büro eines Vizepräsidenten-Kandidaten verübt sowie einen Selbstmordanschlag auf eine Wahlveranstaltung. Bei den beiden Vorfällen alleine wurden über 50 Menschen getötet.

Kandidaten drohten zudem mit Protesten und Gewalt nach dem Wahlgang, sollte es Wahlfälschungen geben. Wahlen in den vergangenen zehn Jahren waren stets von Vorwürfen der Wahlmanipulation überschattet.

(SDA)