Rege Beteiligung an Kommunalwahlen in Ungarn - Kampf um Budapest

Bei den landesweiten Kommunalwahlen in Ungarn hat die Opposition am Sonntag darauf gehofft, mit gemeinsamen Kandidaten zumindest in Grossstädten die Dominanz der Regierungspartei Fidesz des rechts-nationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban zu brechen.
13.10.2019 16:18

Bis zum Nachmittag zeichnet sich eine lebhafte Beteiligung ab. Bis 15.00 Uhr (MESZ) gaben 34,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie das Nationale Wahlbüro am Nachmittag bekanntgab. Das waren um 4,6 Prozentpunkte mehr als beim letzten Urnengang vor fünf Jahren.

Rund acht Millionen Bürger konnten in mehr als 3000 Gemeinden die Bürgermeister und Gemeindevertretungen wählen. Besonders umkämpft war die Hauptstadt Budapest. In den letzten Umfragen lagen im Rennen um den Posten des Oberbürgermeisters der Amtsinhaber Istvan Tarlos von der Fidesz und Gabor Karacsony, der gemeinsame Kandidat der Opposition, praktisch gleichauf.

Zuletzt hatte ein Sex-Skandal um den Fidesz-Bürgermeister der westungarischen Stadt Györ, Zsolt Borkai, für Irritationen im Regierungslager gesorgt. Ein anonymer Blogger hatte Video-Clips von einer Sex-Orgie auf einer Luxusjacht veröffentlicht, auf denen Borkai beim Geschlechtsverkehr mit einer mutmasslichen Prostituierten zu sehen ist.

In Orbans Stab waren deshalb vor dem Wahlsonntag Befürchtungen aufgekommen, dass die Affäre den Fidesz-Bürgermeisterkandidaten im ganzen Land schaden könnte. In letzter Zeit hat Orban seinen politischen Kurs ausdrücklich als "christlich" und "christdemokratisch" bezeichnet.

In Györ hatten am Samstagabend mehr als 1000 Menschen gegen Borkai demonstriert und ihn zum Rücktritt von der Kandidatur aufgefordert. Die Stadt 100 Kilometer von Budapest ist der Standort eines grossen Werks des deutschen Automobilherstellers Audi, der dort 12'000 Mitarbeiter beschäftigt.

Dem Bürgermeister werfen seine Kritiker vor, dass er einen ausschweifenden Lebenswandel mit Erträgen aus korrupten Machenschaften finanziere. Unter anderen soll sich Borkai an Immobilienspekulationen vor der letzten Erweiterung des Audi-Werks bereichert haben. Allerdings liegen dafür keine handfesten Beweise vor.

Die Wahllokale schliessen um 19.00 Uhr. Mit Ergebnissen wird am späten Abend gerechnet.

(SDA)