Rund 400 Flüchtlinge stürmen spanische Exklave Ceuta in Marokko

Fast 400 Flüchtlinge haben nach Behördenangaben die spanische Exklave Ceuta in Marokko gestürmt. Wie die örtliche Präfektur am Freitag mitteilte, gelang es Dutzenden Flüchtlingen am frühen Morgen, an zwei Punkten die sechs Meter hohe Grenzanlage zu durchbrechen.
09.12.2016 15:44

Mehrere Flüchtlinge sowie auch einige Grenzschützer und Polizisten, die die über den Zaun kletternden Menschen abwehren wollten, seien verletzt worden, berichtete die Zeitung "El Mundo". Das Rote Kreuz behandelte nach eigenen Angaben 103 Menschen mit leichten Verletzungen, 25 weitere wurden ins Spital gebracht.

Carmen Echarri von der Zeitung "El Faro de Ceuta" sagte der Nachrichtenagentur AFP, die spanischen Sicherheitskräfte seien überrannt worden. Die Flüchtlinge seien an mehreren Stellen gleichzeitig angestürmt und hätten mit Scheren und anderen Schneidinstrumenten den Zaun attackiert.

Die Zeitung veröffentlichte auf ihrer Website Fotos von dutzenden Flüchtlingen, die jubelnd "Spanien" schrien, als sie Ceuta erreichten. Einige der Männer trugen weder Schuhe noch Hemd.

Bis zum Mittag hatten die Behörden rund 20 Prozent der Flüchtlinge auf dem Gelände noch nicht ausfindig gemacht, wie Spaniens Innenminister Juan Ignacio Zoido sagte. Die meisten der Eindringlinge seien aber gefasst und in das örtliche Auffangzentrum (Ceti) gebracht worden.

Die Menschen stammten nach Angaben der Behörden vor allem aus dem südlichen Afrika. Es war die grösste Gruppe in einem Jahrzehnt, der es gelang, die Grenzanlage zu überwinden.

In diesem Jahr sind - ohne die Einwanderer vom Freitag mitzuzählen - rund 300 Afrikaner in die Exklave gelangt. Zuletzt hatte es Ende Oktober einen Massenansturm gegeben, bei dem 232 Afrikaner unter anderem aus der Elfenbeinküste und Burkina Faso zwei aufgebrochene Türen passierten oder über die Zäune kletterten.

Immer wieder versuchen Schutzsuchende, mit dem Vordringen auf die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla an der marokkanischen Mittelmeerküste EU-Boden zu erreichen. Die beiden Exklaven haben die einzigen EU-Aussengrenzen auf dem afrikanischen Kontinent. Die Grenzanlagen bestehen aus zwei je sechs Meter hohen Zäunen, dazwischen erschwert ein Netz aus Stahlkabeln das Vorankommen.

Menschenrechtsorganisationen fordern regelmässig von der UNO und der EU, Druck auf Spanien auszuüben, damit Flüchtlinge einen Asylantrag stellen können statt abgeschoben zu werden. 2016 kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) rund 18'000 Flüchtlinge in Spanien an.

(SDA)