Rustikales Wohnen führt zu Nachfrageboom nach Altholz

Altes Holz wird beim Hausbau immer beliebter. Alpenchic und Rustikalität sind wieder gefragt. Für die Schweizer Holzhändler und -verarbeiter ist Altholz zwar nur ein Nischenmarkt, dafür aber ein lukrativer.
15.10.2017 07:30

Ganz neu ist der Trend nicht: In den alpinen Regionen wie etwa im Berner Oberland oder im Wallis werden schon seit rund 20 Jahren vermehrt Chalets aus massiven Balken und Brettern aus Altholz gebaut. In den vergangenen Jahren hat sich die Nachfrage nach traditionellen Holzhäusern noch einmal verstärkt.

Früher wurden diese Balken von Hand mit der Axt behauen. Diese aufwendige Art der Fertigung wäre heute viel zu teuer und kaum mehr bezahlbar. Deshalb stammt das Baumaterial von alten Bauernhöfen, Ställen oder Nutzgebäuden, die abgerissen werden. Das Altholz - zum Teil Jahrhunderte alte Balken, Bretter und Fussböden - wird aufbereitet und kann dann wieder verkauft werden.

Ein solches Haus ist aber nur etwas für Leute, die über das nötige Kleingeld verfügen. "Ein Haus aus Altholz wird schnell einmal doppelt oder dreifach so teuer wie ein normaler Bau gleicher Grösse", sagt Hanspeter Stöckli, Altholz-Spezialist bei der Firma Steiner Holz in Walkringen BE und Sugiez FR.

Das Unternehmen Annen Holzbau in Gstaad hat sich ganz auf den Bau traditioneller Chalets spezialisiert. "Zu 80 Prozent arbeiten wir mit Altholz", sagt Mitarbeiter Christian Iseli. "Das Holz beziehen wie so weit wie möglich aus der Region", sagt der Chaletbauer.

Aber bei längst nicht jedem alten Holzhaus lohnt sich eine Wiederverwertung des Holzes. Dauert der Abbruch eines Hauses normalerweise zwei bis drei Tage, können bei einem Altholzobjekt schon mal 14 Tage vergehen. Bei den Schweizer Löhnen müsse man gut überlegen, ob sich das rentiere, erklärt Stöckli.

Stimmt die Qualität, ist Altholz aber ein gutes Geschäft. "Die Margen bewegen sich zwar in einem ähnlichen Rahmen wie bei anderem Holz", sagt Stöckli. "Aber die Verkaufspreise sind deutlich höher."

Trotz der grossen Nachfrage sind die Preise stabil geblieben. Dies liegt unter anderem daran, dass seit einigen Jahren vermehrt Altholz aus Österreich und Norditalien in die Schweiz importiert wird.

Doch auch Länder wie Polen oder Slowenien haben die Schweiz als lukrativen Markt entdeckt. Ein Preisdumping gebe es nicht, sagt Chaletbauer Iseli. "Die ausländischen Händler orientieren sich an Schweizer Preisen."

Auch die Angst, das antike Holz könnte knapp werden, habe sich bislang nicht bewahrheitet. Die Suche nach echtem Altholz sei aber deutlich aufwendiger und schwieriger geworden. Ein Problem gebe es vor allem bei vierkantigen Balken mit gewissen Längenmassen, sagen Stöckli und Iseli. Und tendenziell werde das Altholz immer jünger.

Besonders beim Innenausbau von Ferienhäusern und Hotels erfreue sich der sogenannte Alpenchic wachsender Beliebtheit, heisst es in der Branche. Dabei wird Altholz oder ein entsprechendes Imitat vor allem als Designelement eingesetzt.

Beim Innenausbau gehe der Trend klar Richtung Halbfabrikate, heisst es beim Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten auf Anfrage. "Der Handel bietet geeignete Werkstoffe und es gibt je länger desto mehr Schreiner, die dieses Handwerk beherrschen", sagt Daniel Furrer, Bereichsleiter Technik und Betriebswirtschaft.

Holzhändler bieten heute eine breite Auswahl von Platten im Altholzdesign an. Dabei imitiert ein Digitaldruck Optik und Struktur des antiken Holzes, die Trägerplatte besteht aus einer dreischichtigen Fichten- oder Spanplatte.

"Für Kunden, die den Altholz-Look mögen, aber nicht bereit sind, ganz so tief in die Tasche zu greifen, ist dies eine preiswerte Alternative", sagt René Siegrist, Kundenberater bei Kuratle&Jaecker, dem grössten Holzhändler der Schweiz.

Bei Platten mit Digitaldruck kostet der Quadratmeter etwa 80 Franken. Mit 150 bis 350 Franken pro Quadratmeter bereits deutlich teurer sind Schichtplatten mit einer oder beiden Decklagen aus echtem Altholz und einem Kern aus Fichte- oder Eiche . Wer massives Altholz will, muss aber richtig tief in die Tasche greifen: Hier kostet der Kubikmeter rund 1900 Franken.

(SDA)