Santésuisse dämpft Erwartungen für geringeren Prämienanstieg

Der Krankenkassen-Dachverband santésuisse dämpft Erwartungen, dass der Prämienanstieg nach dem Eingreifen des Bundesrates bei ambulanten Arzttarifen im nächsten Jahr geringer ausfällt. Zuerst müssten die Einsparungen ersichtlich sein, schreibt er.
18.08.2017 10:51

Santésuisse verwies im Communiqué vom Freitag auf den Grundsatz, wonach "die Prämien den Kosten folgen". Sollte der Spareffekt durch den Eingriff 2018 geringer sein als die am Mittwoch von Gesundheitsminister Alain Berset angekündigten 470 Millionen Franken, "würde 2019 ein schmerzhafter Prämiensprung drohen".

Die Forderung von Berset an die Krankenkassen, 1,5 Prämienprozente für die gesenkten Tarife zu berücksichtigen, beurteilt der Verband kritisch. Es müsse damit gerechnet werden, dass die Einsparungen nicht im gewünschten Ausmass einträfen, gibt er zu bedenken.

Der Verband verwies dabei auf Eingriffe am TARMED von 2014 für bestimmte Leistungen von Spezialärztinnen und -ärzten. Diese hätten die tieferen Vergütungen mit mehr Behandlungen kompensiert. Die unternehmerische Verantwortung für die Prämien hätten die Kassen und nicht der Bundesrat, so santésuisse.

Die Prämien für die Grundversicherung müssen die Kassen sich indes vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) genehmigen lassen. Dabei achtet das BAG unter anderem darauf, dass die Prämien die Kosten decken, aber nicht unangemessen über den Kosten liegen, wie es auf seiner Webseite schreibt.

Anders als santésuisse beurteilte der Verband Curafutura am Mittwoch nach der Ankündigung des Tarifeingriffs die Lage: Das Prämienwachstum werde in der nächsten Runde um 1,5 Prozentpunkte gedämpft. Statt wie befürchtet um 4 bis 5 Prozent würden die Prämien nur um 2,5 bis 3,5 Prozent steigen, schrieb Curafutura damals.

Zu Wort meldeten sich am Freitag auch Ärzteverbände: Die Ärzteverbindung FMH, der Verband der Haus- und Kinderärzte (mfe), der Dachverband der chirurgisch und invasiv tätigen Fachgesellschaften (fmCh) und die Verbindung der psychiatrisch-psychotherapeutisch tätigen Ärztinnen und Ärzte der Schweiz (FMPP) wollen mit den Tarifpartnern den ambulanten TARMED gemeinsam revidieren - so wie es die FMH schon zuvor angekündigt hatte.

"Ziel ist eine nachhaltige Gesamtrevision, die die Sachgerechtigkeit und Betriebswirtschaftlichkeit des ambulanten Tarifs wieder herstellt", liess sich FMH-Vorstandsmitglied Urs Stoffel in einer Mitteilung vom Freitag zitieren. Bis Mitte 2018 soll dem Bundesrat ein Vorschlag zur Genehmigung vorgelegt werden.

Als weitere Massnahme gegen steigende Prämien schlagen die Verbände vor, ambulante und stationäre Eingriffe einheitlich zu finanzieren - an den Kosten für Spitalbehandlungen beteiligen sich die Kantone. Ambulante Eingriffe bezahlen die Versicherungen.

Mit einer einheitlichen Finanzierung könne eine Milliarde Franken im Jahr gespart werden, schrieb die Ärzteschaft. Immer mehr Patienten könnten ambulant statt stationär behandelt werden, bei gleicher Qualität und für wesentlich weniger Geld.

Die Ärzte halten an ihrer Kritik am Tarifeingriff des Bundesrates fest. Trotz einiger Korrekturen in der Vernehmlassung enthalte der Eingriff unsachgerechte Massnahmen wie die zeitliche Begrenzung von telefonischen Konsultationen auf zwanzig Minuten oder Leistungen in Abwesenheit des Patienten. Darunter fielen auch wichtige Absprachen.

Verschiedene operative und invasive ambulante Leistungen könnten nicht mehr kostendeckend erbracht werden, machen die Chirurginnen und Chirurgen geltend. Eine Folge davon sei, dass Behandlungen stationär statt ambulant ausgeführt und damit teurer würden.

(SDA)