In Schieflage geratene Hochseeflotte in drei Unfälle verwickelt

Die in die Krise geratene Schweizer Hochseeflotte ist letztes Jahr in drei Unfälle verwickelt gewesen. In einem Fall wurden zwei Seeleute schwer verletzt. Insgesamt untersucht die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) vier Unfälle mit Hochseeschiffen.
07.08.2017 09:45

Den gravierendsten Zwischenfall registrierte die SUST 2016 in Portugal. Beim Auslaufen aus dem Hafen von Porto geriet ein Frachtschiff in schwere See. Zwei Seeleute zogen sich schwere Verletzungen zu. Dies geht aus dem jüngsten SUST-Jahresbericht hervor.

Bei dem Schiff handelt es sich um die SCL Basilea der Reederei Enzian Ship Management, die wegen finanzieller Schwierigkeiten ihre Schiffe verkaufen muss. SUST-Leiter Daniel Knecht bestätigte am Montag eine Information der Sendung "HeuteMorgen" von Radio SRF.

Zwei weitere Fälle im letzten Jahr betreffen die MV Sabina, für die der Bund ebenfalls eine Bürgschaft eingegangen ist. Bei dem Schiff explodierte die Hauptmaschine, als es Swinoujscie in Polen anlief. Dadurch war die MV Sabina nicht mehr manövrierfähig und lief kurzzeitig auf Grund. Bereits im Oktober 2015 hatte das Schiff vor der dänischen Küste Grund berührt.

Zu den genauen Unfallursachen kann Knecht keine Angaben machen. Die drei Unfälle würden aber sicherlich verglichen, um mögliche Gemeinsamkeiten oder Zusammenhänge mit der Situation der Reederei abzuklären. Laut Knecht ist das bei einer sogenannten Sicherheitsuntersuchung üblich.

Für Schlussfolgerungen ist es aus Sicht von Knecht zu früh. Ihre Schlussberichte zu den drei Schiffsunfällen will die SUST im Frühling publizieren.

Der Bund hatte seit 1959 Bürgschaften für die Hochseeschifffahrt gewährt, um in einem Krisenfall die Versorgung des Landes sicherstellen zu können. Zuletzt erneuert wurden die Bürgschaften 2008. Damals schätzte der Bundesrat das Risiko noch als gering ein. Inzwischen steckt die Hochseeschifffahrt aber weltweit in der Krise.

Die Bürgschaften kommen den Bund nun teuer zu stehen. Das Parlament genehmigte im Juni zähneknirschend einen Nachtragskredit von 215 Millionen Franken. Es gelte dafür zu sorgen, dass die übrigen rund 600 Millionen der Bürgschaft nicht auch noch verloren gingen, befand die Mehrheit. Der Bund ist für Schiffe unter Schweizer Flagge Bürgschaften über insgesamt 770 Millionen Franken eingegangen.

(SDA)