Schneider-Ammann kritisiert Bauernverband: "So bitte nicht!"

Die heftige Kritik der Bauern an der Weiterentwicklung der Agrarpolitik lässt Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann nicht auf sich sitzen. Es sei eine "masslose Übertreibung" zu behaupten, der Bundesrat wolle die Landwirtschaft abschaffen.
07.11.2017 09:25

"So bitte nicht!", stellte Bundesrat Schneider-Ammann in einem am Dienstag publizierten Interview in den Zeitungen "Berner Zeitung" und "Der Landbote" klar. Er "opfere" auch nicht die Bauern, wie ihm deren Verband vorgeworfen habe.

Zu weit geht dem Landwirtschaftsminister auch, dass die Spitze des Bauernverbandes sich derart abschätzig über die Gesamtschau des Bundesrates äussere, den Fachleute erarbeitet hätten. "Der Bauernverband überschätzt sich", konstatiert der Wirtschaftsminister.

Den Bauern müsse aufgezeigt werden, in welch hartem Wettbewerb andere Branchen in der Schweiz stünden. Schlössen andere Staaten Freihandelsabkommen ab, bringe das zahlreiche hiesige KMU in Schwierigkeiten. "Sollen wir denn nun zuschauen und warten, bis diese Unternehmen ihren Sitz nach Deutschland verlegen und bei uns Arbeitsplätze geopfert werden?", fragte Schneider-Ammann rhetorisch.

Er habe ein gewisses Verständnis dafür, dass die Bauern nervös würden angesichts neuer Pläne für Freihandelsabkommen. "Aber die Landwirtschaft soll sich mit uns jetzt an den Tisch setzen."

In der Vergangenheit habe er bei solchen Verhandlungen immer Wort gehalten, dass die Bauern nicht überrascht würden, betonte Schneider-Ammann. Kein Mensch rede von komplett zollfrei, wenn es etwa um den Import von argentinischem oder brasilianischem Fleisch gehe.

Seiner Ansicht nach kommt die Landwirtschaft aber nicht umhin, sich anzupassen und effizienter zu werden. Sie sei hierzulande "heillos überreglementiert", sagte der Wirtschaftsminister. Bauern benötigten mehr unternehmerischen Spielraum, damit sie ihre Kosten senken könnten.

Für Schneider-Ammann geht es nicht darum, den "Hosenlupf" mit dem mächtigen Bauernverband zu gewinnen. "Gewinnen können wir nur alle zusammen - und verlieren auch", sagte er. Ohne Fortschritte in den Verhandlungen neuer Freihandelsabkommen stünden aber Arbeitsplätze und Steuereinnahmen auf dem Spiel.

(SDA)