Schnellere Fahrt für Güter und Personen auf der Gotthardachse

Der Gotthardbasistunnel hat sich bewährt. Diese Bilanz zieht die SBB acht Monate nach der Inbetriebnahme. Nun will das Bahnunternehmen dafür sorgen, dass die neue Infrastruktur auch intelligent genutzt wird.
02.08.2017 13:29

Es werde genug gebaut, sagte SBB-Chef Andreas Meyer am Mittwoch den Medien in Goldau SZ. Nun müsse dafür gesorgt werden, dass die Anlagen auch intelligent genutzt würden. Nach der Hardware wolle sich die SBB deswegen nun der Software annehmen.

Einen Ausbauschritt plant die SBB 2020. Dann wird der Basistunnel durch den Ceneri in Betrieb genommen und die durchgehende Flachbahn durch die Alpen wird Realität sein. Meyer sprach von der "Chance Ceneri". Profitieren solle in erster Linie der Güterverkehr, für den die Gotthardachse ausgebaut worden sei, sagte der SBB-Chef.

Nach Angaben der SBB fuhren seit der Inbetriebnahme des Gotthardbasistunnels im Dezember 2016 17'000 Güterzüge durch den längsten Bahntunnel der Welt. 400 Güterzüge benutzten die Bergstrecke.

Zugenommen hat indes nur der internationale Güterverkehr. Beim Binnenverkehr verzeichnete die SBB einen Rückgang. Ein Grund für dieses Minus waren Produktionsverlagerungen ins Ausland.

Im internationalen Verkehr will die SBB ab 2020 mit längeren, schwereren und höheren Zügen durch den Gotthardbasistunnel fahren. Statt mit bis zu 1600 Tonnen sollen die Züge in drei Jahren mit bis zu 2000 Tonnen beladen werden können.

Pro Tag fahren aktuell rund 80 Züge durch den Basistunnel. Die Kapazität für den Güterverkehr soll von heute maximal 210 Trassen auf 260 erhöht werden. Das Potential des Basistunnels sei heute bei Weitem nicht ausgeschöpft, teilte die SBB mit.

Transitgüterzüge sollen künftig rascher die Schweiz durchqueren können. Statt bis zu 7,5 Stunden soll die Fahrt von Grenze zu Grenze noch längstens knapp 5,5 Stunden dauern. Erreicht werden soll dies durch einfachere Abläufe an der Grenze und durch eine bessere Zusammenarbeit mit den Nachbarbahnen.

In den ersten acht Monaten fuhren 2,3 Millionen Passagiere durch den Gotthardbasistunnel. Die Passagierzahlen haben damit auf dieser Achse um 30 Prozent zugenommen. Das Wachstum geht zu gleichen Teilen auf den nationalen und den internationalen Verkehr zurück.

Meyer sprach von einem "beträchtlichen Erfolg". Es sei normal, dass es nach der Eröffnung eines Bauwerkes wie dem Gotthardbasistunnel eine "Einrüttelphase" brauche um zu erfahren, wann die Leute unterwegs seien.

Die Pünktlichkeit der Züge wurde verbessert. Dank zeitlichen Reserven können die Verspätungen, mit denen Züge aus Italien in der Schweiz ankommen, wieder aufgeholt werden. Die Anschlusspünktlichkeit in Arth-Goldau, wo der Zürcher und der Luzerner Ast der Gotthardstrecke zusammentreffen, konnte gegenüber 2016 von 94,4 Prozent auf 97,4 Prozent erhöht werden.

Stark ausgelastet sind die Personenzüge am Morgen Richtung Süden und am Abend Richtung Norden. Eine Nachfragespitze wird am Sonntagabend von Reisenden Richtung Deutschschweiz erreicht.

Die SBB versucht nach eigenen Angaben, kurzfristig erhöhte Nachfragen - etwa wenn das Wetter im Süden besser ist als im Norden - mit zusätzlichem Platzangebot aufzufangen. Wer aber sicher einen Sitzplatz haben wolle, solle in EC- und IC-Zügen reservieren, hiess es.

Ab dem nächsten Fahrplanwechsel wird zusätzlich ein Frühzug von Basel und Luzern aus durch den Gotthardbasistunnel nach Locarno fahren. Dazu kommt eine Direktverbindung zwischen Frankfurt und Mailand.

In konzeptueller Erarbeitung ist zudem der "Superveloce". Diese sehr schnelle Verbindung soll ein Mal täglich in beiden Richtungen Zürich und Mailand verbinden. Die Halte in Arth-Goldau und Bellinzona entfallen. Die Fahrzeit soll weniger als drei Stunden betragen.

(SDA)