Schweiz verstärkt Kontrolle über Fleischlieferungen aus Brasilien

Die Wahrscheinlichkeit, dass vergammeltes Fleisch aus Brasilien auf Schweizer Tellern landet, ist zwar gering. Der Bund verschärft dennoch seine Kontrollen.
22.03.2017 13:01

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat seinen grenztierärztlichen Dienst damit beauftragt, Sendungen mit Fleischprodukten aus Brasilien ab sofort einer verstärkten Inspektion zu unterziehen. Das teilte das BLV am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mit. Zurzeit lägen keine Meldungen zu festgestellten Verstössen vor.

Insgesamt vier Betriebe aus Brasilien dürfen nach Angaben des BLV keine Fleischprodukte mehr in die EU oder in die Schweiz exportieren. Drei dieser Betriebe haben in der Vergangenheit auch Fleischprodukte in die Schweiz exportiert.

Das BLV arbeitet bei weiteren Abklärungen des Lebensmittelskandals mit den Behörden der EU und Brasiliens zusammen. Falls nötig würden Massnahmen ergriffen, um die Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz zu schützen, heisst es.

Die zuständigen Stellen untersuchten, ob weitere Betriebe in den EU-Raum exportiert hätten und um was für Fleisch und Fleischerzeugnisse es sich bei diesem Gammelfleisch genau handle.

Brasilien ist mit einem Anteil von 20 Prozent an den Importen ein wichtiger Fleischlieferant für die Schweiz. Laut den Behörden und Schweizer Fleischverarbeitern ist es aber sehr unwahrscheinlich, dass Konsumenten in der Schweiz kontaminiertes Fleisch verzehrt haben.

Von Brasilien in die Schweiz eingeführt werden vorwiegend Edelstücke vom Rind sowie Poulet. Bei den verdorbenen Ware handle es sich hingegen vor allem weiterverarbeitete Produkte und Wurstwaren aus Schweinefleisch, hiess es beim Schweizer Fleisch-Fachverband SFF auf Anfrage.

Das in der Schweiz verzehrte Schweinefleisch stammt fast ausschliesslich aus einheimischer Produktion. Die grossen Schweizer Fleischverarbeiter importieren zudem nur ganze Teile von Rind und Geflügel aus Brasilien.

Bei Schweizer Fleischliebhabern ist der neuerliche Gammelfleischskandal offenbar kein grosses Thema. Bei der Stiftung für Schweizer Konsumentenschutz (SKS) sind noch keine Anfragen besorgter Kundinnen und Kunden eingegangen.

Der Gammelfleischskandal von Brasilien war Ende vergangener Woche nach zweijährigen Ermittlungen der Polizei publik geworden. Dutzende Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen bestochen worden sein, um den Verkauf von verdorbenem Fleisch zuzulassen. Mindestens 30 Menschen wurden bereits festgenommen, drei Betriebe mussten schliessen.

Brasilien ist der weltgrösste Exporteur von Rind- und Geflügelfleisch und liefert in 150 Länder. Mehrere Staaten stoppten die Importe aus dem südamerikanischen Land.

(SDA)