Schweiz weitet Verbot für brasilianisches Fleisch aus

21 Betriebe sollen in den Gammelfleischskandal in Brasilien verwickelt sein. Die Schweiz hat am Wochenende einen Importstopp für Ware von den betroffenen Betrieben verhängt.
26.03.2017 14:18

Das sagte eine Sprecherin des Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Importbeschränkung beziehe sich gezielt auf die 21 unter Verdacht stehenden Produzenten, sagte sie. Ein totales Importverbot sei unverhältnismässig und daher keine Option.

Vergangenen Freitag hatte sich der Importstopp noch auf vier Betriebe aus Brasilien beschränkt. Die Ausdehnung des Verbots erfolgt laut BLV in enger Abstimmung mit der EU, die bereits zuvor entsprechende Schutzmassnahmen ergriffen hatte.

Zudem hat der Bund die Kontrollen verschärft. Der grenztierärztliche Dienst wurde damit beauftragt, Sendungen mit Fleischprodukten aus Brasilien einer verstärkten Inspektion zu unterziehen. In der Schweiz ist nach Einschätzung des BLV und von Fleischverarbeitern bisher kein Gammelfleisch verkauft worden.

China, Ägypten und Chile, die zu den sechs wichtigsten Abnehmern von Rindfleisch aus Brasilien gehören, kündigten am Wochenende das Ende ihrer zu Wochenbeginn verhängten allgemeinen Einfuhrstopps an. Die Aufhebung gilt nicht für die 21 unter Verdacht stehenden Produzenten.

Der Lockerung des generellen Importstopps waren intensive diplomatische Bemühungen vorausgegangen. Die brasilianische Regierung forderte die Welthandelsorganisation auf, die 163 Mitgliedstaaten von "willkürlichen" Einfuhrbeschränkungen abzuhalten.

Sie startete eine Kampagne zur Wiederherstellung des Rufs der Fleischbranche. Sie wies darauf hin, dass von den 4000 in der Fleischverarbeitung tätigen Unternehmen nur 21 von dem Skandal betroffen seien.

Unter den 11'000 Beschäftigten des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums beziehe sich der Manipulationsvorwurf lediglich auf 33. Während im vergangenen Jahr 853'000 Fleisch-Lieferungen exportiert worden seien, seien nur 184 Lieferungen in Manipulationsverdacht geraten.

Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen bestochen worden sein, um den Verkauf von verdorbenem Fleisch zuzulassen. Die brasilianische Konsumentschutzbehörde veranlasste darauf eine Rückrufaktion. Inzwischen wurden mehr als 30 Verdächtige festgenommen und drei Unternehmen geschlossen.

Das Grossunternehmen JBS kündigte am Donnerstag an, die Arbeit in 33 von 36 fleischverarbeitenden Betrieben vorerst ruhen zu lassen. In zwei anderen Unternehmen gab es bereits 280 Entlassungen.

Brasilien ist der weltgrösste Exporteur von Rindfleisch. Mit Fleischexporten erzielt Brasilien einen Jahresumsatz von mehr als zwölf Milliarden Euro.

(SDA)