Schweizer Anleger bleiben zum Wochenschluss in Deckung

Die Schweizer Börse hat sich am Freitag in engen Spannen seitwärts bewegt. Die Anleger hielten sich laut Händlern zurück, weil sie vor dem Wochenende keine unnötigen Risiken eingehen wollten.
14.09.2018 17:56

Wegen der verschiedenen Belastungsfaktoren, vor allem wegen des schwelenden Handelskriegs sowie der zunehmenden Skepsis gegenüber Schwellenländern sei eine steigende Risikoaversion der Anleger wenig verwunderlich, kommentierte die Aargauische Kantonalbank. "Insgesamt stufen wir die Risiken für die Aktienmärkte weiterhin als hoch ein. Eine vorsichtige Positionierung erachten wir nach wie vor als richtig."

Der SMI schloss mit 8970 Punkten um 0,1 Prozent höher. Im Wochenvergleich ergibt sich ein Plus von rund 1,5 Prozent.

Die Marktteilnehmer hofften, dass es im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit zu einer Lösung kommt. "Das könnte den Weg freimachen für einen Anstieg des SMI über die technisch und psychologisch wichtige Hürde von 9000 Punkten", sagte ein Börsianer. Die USA hatten China zu neuen Gesprächen über die Beilegung des Handelsstreits eingeladen.

Die Bluechips tendierten mehrheitlich fester. Die Kursgewinne waren aber mit weniger als einem Prozent eher gering. Etwas Unter Druck standen die Genussscheine von Roche, die um 0,5 Prozent nachgaben. Wegen der stark anziehenden Konkurrenz durch Nachahmermedikamente für drei milliardenschwere Krebspräparate greift der Pharmariese zum Rotstift. Roche droht bis 2022 eine Umsatzlücke von schätzungsweise zehn Milliarden Dollar. "Wenn man eine derart starke Verschiebung im Portfolio hat wie wir jetzt, dann muss man Ressourcen natürlich in einer mehr dramatischen Weise umverteilen", sagte Konzernchef Schwan zu Reuters.

Die Aktien von Rivale Novartis stiegen dagegen um 0,2 Prozent. Die Papiere von Nestle, einem weiteren Schwergewicht, waren um 0,2 Prozent höher.

Gewinne verzeichneten die Anteile des Sanitärtechnikers Geberit mit plus 0,9 Prozent. Die Luxusgüterwerte Richemont und Swatch zogen um 0,9 Prozent an. Gefragt waren auch die Anteile von ABB. Sie stiegen um 0,4 Prozent auf 23,24 Franken. SocGen hat den Titel des Elektrotechnikkonzerns auf "Buy" von "Hold" und das Kursziel auf 26,50 von 23,50 Franken erhöht.

Mit den Anteilen des Zementkonzerns LafargeHolcim, der Chemiefirma Clariant und des Maschinenbauers Oerlikon notierten auch andere zyklische Titel fester.

Die Anteile der Banken Credit Suisse und UBS rückten ebenfalls vor. SNB-Präsident Thomas Jordan hat sich für eine Überprüfung der im Nachgang der Finanzkrise eingeführten internationalen Regulierung bei Banken ausgesprochen. "Nach zehn Jahren ist es sicher legitim zu überprüfen, ob gewisse Regulierungen allenfalls unnötig sind und wie die Regulierungskosten optimiert werden könnten", sagte er in einem Interview mit der "NZZ". "Etwas weniger Regulierung täte der Branche bestimmt gut", sagte ein Händler.

Die Aktien von Aryzta büssten 2,5 Prozent ein. Der Backwarenhersteller hat sich mit seinen Kreditgebern im Zusammenhang mit den geplanten Kapitalmassnahmen auf neue Kreditbedingungen geeinigt. Doch erwächst der Kapitalerhöhung von bis zu 800 Millionen Euro Opposition. Gregor Joos und seine Beteiligungsgesellschaft Larius Capital schlagen gemäss Medienberichten anstelle der Kapitalerhöhung den Verkauf des US-Geschäfts und der Beteiligung am französischen Tiefkühlproduktehersteller Picard vor. "Dieses Störmanöver könnte die Sanierung der Firma behindern wenn nicht gar gefährden", sagte ein Händler.

Die Aktien von Polyphor verloren 2,9 Prozent. Dagegen zogen die Titel von Basilea um 0,7 Prozent an. "Die zwei Firmen arbeiten beide in der Antibiotika-Forschung", sagte ein Händler. Manche Anleger versuchten daher die unterschiedliche Kursentwicklung der zwei Titel auszunützen. (Reporter: Rupert Pretterklieber; redigiert von Oliver Hirt)

(Reuters)