schweizer Börse grenzt Verluste ein - Politik verunsichert

Die Talfahrt an der Schweizer Börse hat am Donnerstag unter dem Einfluss der innenpolitischen Querelen in den USA angehalten.
18.05.2017 17:34

Händler sagten, nach dem Rekordlauf der jüngsten Zeit wollten die Anleger einen Teil der Gewinne ins Trockene bringen. Sie seien wegen der Entwicklung in den USA verunsichert und würden zunehmend nervös. Der Volatilitätsindex schoss kurzzeitig über zehn Prozent in die Höhe. Der SMI fiel zwischenzeitlich um mehr als ein Prozent, konnte die Verluste aber wieder eingrenzen und notierte zuletzt mit 8937 Punkten noch 0,7 Prozent tiefer. Am Mittwoch hatte der SMI 1,4 Prozent eingebüsst.

"Die Diskussion um eine Amtsenthebung des US-Präsidenten Donald Trump verunsichert die Anleger", sagte ein Händler. Der mögliche Eingriff Trumps in FBI-Ermittlungen und sein angeblicher Geheimnisverrat halte die Märkte im Banne.

Abgesehen von politischen Störfaktoren seien aber kaum Wolken am Börsenhimmel auszumachen. "Bevor man daher nun einfach losrennt und verkauft, sollte man einen Schritt zurücktreten. Der Markt bisher hat gut zehn Prozent gewonnen. Da ist es nur normal, wenn die Kurse mal etwas schwächeln", sagte ein Händler. "Politische Börse haben ausserdem meistens kurze Beine", sagte ein anderer Händler. Schon bald dürften daher wieder Daten aus der Wirtschaft das Geschehen an den Märkten bestimmen.

Den stärksten Druck auf den Index löste ein Kursabschlag von 1,5 Prozent beim Schwergewicht Roche aus. Im Markt hiess es, eine Grossbank sei dabei, ihr Rating für den Pharmatitel zu überprüfen. Zudem gebe es Zweifel, ob Roche am Onkologiekongress ASCO in den USA mit wirklich starken Neuigkeiten aufwarten werde. Die Papiere von Rivale Novartis fielen um 0,8 Prozent. "Das sind einfach Gewinnmitnahmen. Roche ist 2017 auch mehr gestiegen als Novartis", sagte ein Händler.

Die Aktien von Nestle, die jüngst ein Rekordhoch markiert hatten, sanken um 0,8 Prozent.

Die Aktien der Banken standen zeitweise massiv unter Druck, konnten aber die Verluste bis zum Schluss halbieren. Der jüngste starke Rückgang der Anleihenrenditen mache den Finanzwerten zu schaffen, hiess es. "Sinkende Zinsen - gleich sinkende Margen - gleich weniger Gewinn, so lautet eine Faustregel", sagte ein Händler. Europaweit litten daher die Bankaktien. Die Anteile der Credit Suisse sanken um 0,9 Prozent. Die Aktionäre der Grossbank haben der geplanten Kapitalerhöhung um vier Milliarden Franken zugestimmt.

Die Anteile der UBS schwächten sich um 0,8 Prozent ab. Die Titel von Julius Bär drehten gar ins Plus. Gemäss Insidern ist der Vermögensverwalter in fortgeschrittenen Verhandlungen über eine Beteiligung von 20 Prozent an dem argentinischen Finanzdienstleister TPCG Group.

Die Versicherungstitel konnten sich teilweise erholen.

Auch die zyklischen Anteile machten Boden gut, blieben aber mehrheitlich in der Verlustzone. Die Aktien des Luxusgüterherstellers Richemont, die am Vortag wegen Gewinnmitnahmen unter die Räder gekommen waren, legten gar 1,1 Prozent zu. Swatch büssten 0,5 Prozent ein.

Stärkere Verluste verbuchten Aktien am breiten Markt, die besonders gut gelaufen waren. Händler sagten, möglicherweise nähmen bei den auf kleine und mittelgrosse Firmen spezialisierten Fonds Rücknahmen zu. AMS fielen deutlich, nachdem sich der Kurs des Sensorenherstellers im laufenden Jahr mehr als verdoppelt hatte. Die Anteile des Maschinenbauers Bobst, des Schraubenhändlers Bossard, des Komponentenhersteller Phoenix Mecano und des Vakuum-Ventile-Herstellers VAT, die 2017 mehr als einen Drittel an Wert gewonnen hatten, büssten Terrain ein.

Gegen den negativen Trend fielen die Aktien von Züblin mit einem Kursgewinn von 8,4 Prozent auf. Die Immobilienfirma kehrte im Geschäftsjahr 2016/17 mit einem Gewinn von 29,9 Millionen Franken in die schwarzen Zahlen zurück.

(Reuters)