Schwere Schäden wegen Hurrikan "Matthew" in Haiti befürchtet

Hurrikan "Matthew" ist mit voller Kraft auf Haiti getroffen. Im Westen des Landes seien mehrere Ortschaften teilweise überschwemmt worden, teilte der Zivilschutz am Dienstag mit. Tausende Menschen suchten Schutz.
04.10.2016 20:12

In der Hauptstadt Port-au-Prince kam das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen. Schulen und Geschäfte wurden geschlossen. Das Nationale Hurrikanzentrum der USA (NHC) bezeichnete den Sturm, den stärksten in der Region seit einem Jahrzehnt, als "extrem gefährlich".

"Matthew" war am frühen Morgen (Ortszeit) nahe dem Ort Les Anglais auf Land getroffen. Der Hurrikan der Kategorie 4 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde brachte starken Regen, heftigen Wind und hohe Wellen mit sich.

Der Radiosender Metropole berichtete, vier Menschen seien ums Leben gekommen. Auch in der benachbarten Dominikanischen Republik wurden nach Angaben des Zivilschutzes vier Personen getötet.

Die Regierung und das Rote Kreuz mobilisierten in Haiti Tausende freiwillige Rettungskräfte. Auch internationale Hilfsorganisationen sind gewappnet. Im ganzen Land wurden nach Angaben der Vereinten Nationen 1300 Notunterkünfte mit Kapazität für 340'000 Menschen eingerichtet. Allerdings sei fraglich, ob die Evakuierungszentren dem heftigen Sturm standhalten können.

In dem völlig verarmten Karibikstaat wurden schwere Schäden befürchtet. "In Haiti wurden viele Regionen stark gerodet. Der Hurrikan bringt mit bis 600 Millimeter pro Quadratmeter extreme Regenmengen mit, so dass neben Sturmschäden vor allem die Gefahr von Überschwemmungen und Erdrutschen extrem hoch ist", sagte der Leiter der Auslandshilfe des deutschen Arbeiter-Samariter-Bunds (ABS), Carsten Stork.

Für kommenden Sonntag sind in Haiti Präsidentenwahlen angesetzt. Sollte die Abstimmung wegen des Hurrikans abgesagt werden, sind Unruhen zu befürchten. Haiti ist politisch äusserst instabil, das Ergebnis der letzten Wahl wurde wegen Manipulationsvorwürfen annulliert.

Haiti gilt als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre. Sechs Jahre nach einem verheerenden Erdbeben, bei dem 2010 rund 250'000 Menschen ums Leben kamen, leben immer noch tausende Obdachlose in Zelten.

In Kuba brachten die Behörden rund eine Million Menschen in Sicherheit. Die US-Streitkräfte zogen ihr nicht-essenzielles Personal von der Militärbasis Guantánamo ab. Die 61 dort noch festgehaltenen Häftlinge seien so untergebracht worden, dass der Hurrikan ihnen nichts anhaben könne, hiess es.

In Jamaika schützten Hausbesitzer die Fenster ihrer Häuser mit Holzplatten. Das Auge von "Matthew" dürfte nun zunächst über den Golf von Gonave und dann weiter nach Nordwesten ziehen. Der Wirbelsturm soll den Prognosen zufolge am Osten Kubas vorbeiziehen und am Mittwoch die Bahamas streifen.

"Einige Schwankungen in der Intensität sind in den nächsten Tagen möglich, aber wir gehen davon aus, dass "Matthew" bis mindestens Mittwochnacht ein mächtiger Hurrikan bleibt", teilten die Experten des US-Hurrikan-Zentrums mit.

Auch die USA rüsteten sich für schwere Unwetter: Im US-Bundesstaat Florida und in Teilen North Carolinas wurde bereits der Notstand ausgerufen. US-Präsident Barack Obama sagte einen Besuch im Süden Floridas ab, wo er an einem Wahlkampfauftritt zugunsten der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton teilnehmen wollte.

(SDA)