SNB-Direktor Jordan gegen digitales Zentralbankgeld für Private

Nationalbank-Präsident Thomas Jordan hat vor der Einführung von digitalem Zentralbankgeld für Private gewarnt. Dies würde die Fähigkeit des Bankensystems zur Kreditvergabe verringern und berge Gefahren für die Finanzstabilität.
16.01.2018 18:00

Mit dem erweiterten Zugang zu digitalem Zentralbankgeld würden Kunden von den Geschäftsbanken abziehen, sagte Jordan laut Redetext in einem Referat vor der Zürcher Volkswirtschaftlichen Gesellschaft am Dienstag. Dies würde die Fähigkeit des Bankensystems beeinträchtigen, Liquiditäts- und Fristentransformation zu betreiben und damit den Umfang der Kreditvergabe verringern.

Zudem würden Kunden in Phasen erhöhter Unsicherheit ihre bei Banken gehaltenen Sichteinlagen in grossem Umfang in digitales Zentralbankgeld umschichten. Die Nationalbank wäre häufiger und in grösserem Massstab als heute gezwungen, als Kreditgeber letzter Instanz den Banken Liquidität zur Verfügung zu stellen.

Die SNB müsste im Gegenzug vermehrt Aktiven der Banken und die damit verbundenen Risiken auf ihre eigene Bilanz nehmen, warnte der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), der zugleich seine ablehnende Haltung zur Vollgeld-Initiative bekräftigte.

Ein erweiterter Zugangs der Bevölkerung zu digitalem Zentralbankgeld würde zudem die traditionelle Aufgabenteilung zwischen Zentralbank und Geschäftsbanken in Frage stellen. Dabei agiert die Zentralbank als Bank der Banken, während die Geschäftsbanken, die Haushalte und Unternehmen mit Krediten und Liquidität versorgen.

Die Nationalbank müsste neue finanzielle Risiken und Aufgaben übernehmen, die bisher vom Privatsektor getragen wurden, sagte der SNB-Präsident. Weitere Gefahren für die Finanzstabilität entstünden dadurch, dass die Haushalte und Unternehmen ihre Einlagen zwischen ihren Konten bei der Zentralbank und den Geschäftsbanken hin und her bewegen könnten.

In der Schweiz wird die Idee von elektronischem Zentralbankgeld für Private als Alternative zur Vollgeld-Initiative diskutiert. Befürworter sehen darin eine Möglichkeit, den Zugang der Bevölkerung zu Zentralbankgeld zu erweitern und zugleich die Nachteile der Initiative zu vermeiden.

Die Vollgeld-Initiative verlangt, dass nur noch die Nationalbank Buchgeld schaffen darf, Geschäftsbanken aber nicht mehr. Damit soll das Finanzsystem stabilisiert werden. Heute schaffen Banken dauernd neues Buchgeld, indem sie Kredite vergeben. Hinter der Initiative steht der Verein Monetäre Modernisierung (MoMo). Bundesrat und Parlament lehnen die Vorlage ab, die voraussichtlich noch in diesem Jahr vors Volk kommt.

(SDA)