Soldaten und Zivilisten inspizieren zerstörte Teile von Aleppo

Nach der vollständigen Einnahme von Aleppo durch die syrische Armee kehren Regierungssoldaten und Zivilisten nach und nach in die zerstörten Bezirke der Metropole zurück. Der Krieg geht aber ungehindert weiter. In den Fokus gerät zunehmend das türkische Vorgehen.
23.12.2016 15:55

Syrische Soldaten begutachteten am Freitag die Stadtteile Ansari und al-Maschdad, in denen sie zuletzt Mitte 2012 waren. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah dick eingepackte Bewohner von Aleppo, die bei Wintertemperaturen auf dem Weg zu ihren früheren Häusern waren.

Die Soldaten suchten nach versteckten Sprengsätzen und untersuchten Wohnhäuser, bevor Zivilisten dorthin zurückkehrten, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Im schwer zerstörten Bezirk Bustan al-Kasr nahe der berühmten Altstadt von Aleppo schafften Bagger Trümmerteile weg.

Die syrischen Truppen hatten mit ausländischer Unterstützung Mitte November eine Grossoffensive auf das umkämpfte Aleppo gestartet. Sie eroberten rasch einen Stadtteil nach dem anderen von den Rebellen zurück, ausserdem startete eine gross angelegte Evakuierungsaktion.

Rund 35'000 Menschen verliessen den Osten der Stadt. Am Donnerstag verkündete die syrische Führung, Aleppo sei wieder vollständig unter Regierungskontrolle.

Die bewaffneten Aufständischen kontrollierten aber weiterhin Gebiete am Stadtrand westlich von Aleppo und nutzten diese nach Angaben der Beobachtungsstelle als Ausgangspunkt zum Abschuss von Raketen. Am Freitag wurden bei Raketenangriffen auf den Stadtteil Al-Hamdanijeh demnach mindestens ein Zivilist getötet und acht weitere verletzt, die staatliche Agentur Sana sprach von drei getöteten Zivilisten.

Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete die Rückeroberung von Aleppo am Freitag als einen "sehr wichtigen" Schritt auf dem Weg zu einer "Normalisierung in Syrien". Es habe sich um "die grösste humanitäre internationale Rettungsaktion der Neuzeit" gehandelt. Nun müsse alles getan werden, um die Kämpfe im ganzen Land zu stoppen.

Das Kampfgeschehen in Syrien konzentriert sich zunehmend auf die nahe Aleppos gelegene Dschihadisten-Hochburg Al-Bab. Türkische Truppen unterstützen dort syrische Milizen bei einer Offensive gegen das von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausgerufene "Kalifat".

Bei türkischen Luftangriffen auf Al-Bab wurden Menschenrechtsaktivisten zufolge seit Donnerstag mindestens 88 Zivilisten getötet. 72 Menschen seien bei den heftigen Bombardements am Donnerstag umgekommen, weitere 16 am Freitag, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Unter den Getöteten seien 24 Kinder. Al-Bab sichert den Weg zur Verwaltungszentrale des IS-Kalifats, Al-Rakka.

Nach türkischen Angaben wurden in der Region Al-Bab 22 IS-Kämpfer getötet. Bei Angriffen auf den IS seien 37 Gebäude in Al-Bab zerstört worden, darunter Militärunterkünfte, Waffenlager und ein Logistikzentrum. Angaben zu zivilen Opfern machte die Türkei nicht. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Donnerstag von fast 200 getöteten IS-Kämpfern bei den Gefechten um das nahe der türkischen Grenze gelegene Al-Bab gesprochen.

(SDA)