SP Unterwallis für offene Liste für Regierungswahlen 2017

Die SP des welschen Wallis hat sich für eine offene Liste für die Regierungswahlen 2017 ausgesprochen. Sie ermöglicht damit eine Kandidatur des ehemaligen Nationalratspräsidenten Stéphane Rossini. SP-Staatsrätin Waeber-Kalbermatten will ihre Kandidatur nun überdenken.
24.09.2016 19:13

Die rund 160 in Randogne VS anwesenden Mitglieder der SP Unterwallis (PSVR) sprachen sich mit 126 zu 34 Stimmen deutlich für die offene Liste aus. "Die Karten werden neu gemischt", sagte PSVR-Präsident Gaël Bourgeois nach der Abstimmung. Rossini und Esther Waeber-Kalbermatten seien kompetente, erfahrene und glaubwürdige Persönlichkeiten. Aber die Partei brauche eine geeinte Basis und das sei nur mit einer offenen Liste möglich.

Zuvor hatte Waeber-Kalbermatten ihre Bilanz verteidigt und sich bereit gezeigt, im Frühjar 2017 für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Die Staatsrätin, die am Samstag ihren 64. Geburtstag feierte, machte auch keinen Hehl aus ihrer Ablehnung einer offenen Liste und kündigte an, je nach Abstimmungsresultat ihre Kandidatur zu überdenken.

Rossini seinerseits machte bereits klar, dass er auf einer offenen Liste kandidieren werde. Nach dem "klaren und unmissverständlichen" Ergebnis zeigte er sich denn auch sichtlich erfreut. Er könne es kaum erwarten, in den Wahlkampf zu starten und sei bereit, bis zum Ende zu kämpfen.

Rossini hatte nach dem Abschied aus Bundesbern vor einem Jahr seine Ambitionen für die Kantonsregierung nie verborgen. Diesen stellte sich die bisherige Oberwalliser SP-Staatsrätin Waeber-Kalbermatten in den Weg. Sie kündigte bereits Anfang Mai an, für eine dritte Amtszeit kandidieren zu wollen. Mit Rossini habe sie zuvor nicht über die Frage gesprochen, gab Waeber-Kalbermatten an.

Das wiederum verärgerte die SP des "Valais romand", die von einem Putsch sprach. Das Zerwürfnis förderte ein Grundproblem der SP Wallis zu Tage. Seit dem Einzug in die Walliser Kantonsregierung 1997 vertraten stets Oberwalliser die SP.

Die frühere Apothekerin war bei ihrer Wahl 2009 zudem die erste Frau in der Walliser Kantonsregierung. Die Unterwalliser SP sieht ihre Ansprüche dadurch legitimiert, dass jeweils 80 Prozent der Stimmen der Sozialdemokraten aus dem welschen Kantonsteil stammen.

Esther Waeber-Kalbermatten hatte sich in mehreren Interviews gegen ein Zweier-Ticket ausgesprochen, weil sich die Stimmen verteilen und damit den Sitz der Walliser SP in der Regierung gefährden könnten. Ihre Kandidatur wurde von der Oberwalliser SP bereits abgesegnet.

Ein gemeinsamer kantonaler SP-Parteitag der Ober- und Unterwalliser Sektionen soll nun Klärung bringen. Dieser kann dann einen, zwei oder sogar noch mehr Kandidaten bestimmen. Das Datum werde schon bald festgelegt, sagte Bourgeois.

In der Walliser Regierung verfügen die Sozialdemokraten wie die SVP über einen Sitz, die drei anderen gehören der CVP, die traditionell stärkste Partei im Bergkanton ist. Nach vier Jahren Absenz will auch die FDP in die Walliser Kantonsregierung zurückkehren.

(SDA)