Spitäler schätzen finanziellen Schaden auf bis zu 1,8 Mrd. Franken

Der Schweizer Spitäler schätzen den finanziellen Schaden durch die Covid-19-Massnahmen auf 1,5 bis 1,8 Milliarden Franken - 80 Prozent davon wegen des Operationsverbots. Der Spitalverband H+ fordert nun einen Gesundheitsgipfel über die Kostenverteilung.
22.05.2020 10:02

Allein das Behandlungsverbot bei nicht-dringlichen Eingriffen im stationäre und ambulanten Bereich vom 16. März bis am 26. April habe zu finanziellen Ausfällen der Spitäler in der Höhe von 1,2 bis 1,4 Milliarden Franken geführt, teilte der Verein Spitalbenchmark am Freitag mit. Er hat dazu zusammen mit den Beratungsunternehmen PwC auf Grund einer repräsentativen Stichprobe bei 13 Spitälern, drei Psychiatrien und einer Rehabilitationsklinik eine Grobschätzung vorgenommen.

Demnach schlugen die Mehrausgaben für die angeordnete Bereitstellung der Kapazitäten zur Bewältigung der Pandemie mit rund 300 Millionen Franken zu Buche. Dazu kommen Mehrkosten bei den Behandlungen durch die verschärften Hygiene- und Isolationsmassnahmen in der Höhe von rund 100'000 Franken. Nicht enthalten seien in diesen Zahlen die nicht gedeckten Behandlungkosten von Covid-10-Patienten.

Auf das ganze Jahr hochgerechnet gehen Spitalbenchmark und PwC von finanziellen Ausfällen in der Höhe von 1,7 Milliarden bis 2,9 Milliarden Franken. Die grosse Differenz ergebe sich aus den vielen unbekannten Faktoren. So sei zum Beispiel nicht bekannt, ob die nicht erfolgten Eingriffe in der zweiten Jahreshälfte nachgeholt werden könnten. Zudem könnte eine zweite Infektionswelle zu weiteren Einbussen führen.

H+ fordert nun, dass die ungedeckten Mehrkosten und die Ertragsausfälle durch den Bund, die Kantone und die Versicherer kompensiert werden, wie der Verband in einer Mitteilung schrieb. Die Spitäler hätten "in Rekordzeit Personal, Infrastrukturen und Material bereit gestellt", damit die an Covid-19 erkrankten Patienten zu jedem Zeitpunkt die notwendige medizinische und pflegerische Versorgung erhielten.

Die Anpassungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) bei den ambulanten und stationären Tarifen reichten dafür nicht aus. H+ fordert deshalb über die Notverordnung Zuschläge für ambulante und stationäre Behandlungen.

Ausserdem verfügten die Versicherer über Reserven in der Grössenordnung von rund neun Milliarden Franken. Diese könnten die Zusatzkosten mehr als auffangen. Deshalb müsse der Bundesrat so rasch wie möglich einen nationalen Gesundheitsgipfel einberufen, um die Frage nach der "gesetzeskonformen Kostenverteilung" zu klären.

(SDA)