Nach SNB-Zinsentscheid - Das sagen Ökonomen zum SNB-Zinsentscheid

Die SNB hält an ihrem geldpolitischen Kurs fest. Sie setzt zur Schwächung des aus SNB-Sicht immer deutlich überbewerteten Frankens weiterhin auf Negativzinsen und Devisenmarktinterventionen. Erste Reaktionen.
16.03.2017 10:51
Der Franken ist laut SNB nach wie vor überbewertet.
Der Franken ist laut SNB nach wie vor überbewertet.
Bild: pixabay.com

Die Notenbank beliess das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor am Donnerstag bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent. Banken müssen für ihre Sichtguthaben bei der SNB weiterhin einen Strafzins von 0,75 Prozent bezahlen.

Ökonomen kommentieren die geldpolitische Lagebeurteilung der SNB wie folgt:

ALESSANDRO BEE, UBS:

"Die Mitteilung der SNB hob wie im Dezember zwei Entwicklungen hervor. Einerseits die sich verbessernden wirtschaftlichen Aussichten - sowohl global als auch in der Schweiz. Und andererseits den die politischen Risiken: Trumps Wirtschaftspolitik, die Wahlen in Europa und den Brexit. Wir halten in den kommenden zwei Monaten die französischen Wahlen für den Schlüsselfaktor. Umso wahrscheinlicher eine Wahl von Le Pen ist, umso mehr wird die Risikoaversion der Investoren steigen und umso mehr ist die SNB gezwungen, zu intervenieren. Im Hinblick auf Zinsänderungen bleiben wir dabei, dass wir eine erste Zinserhöhung frühestens im zweiten Quartal 2018 erwarten, wenn das Tapering (Zurückfahren der Anleihekäufe) der EZB bereits in einem fortgeschrittenen Stadium ist."

DANIEL HARTMANN, BANTLEON BANK:

"In der geldpolitischen Ausrichtung hat die SNB erwartungsgemäss alles beim Alten gelassen. Auch an der Lagebeurteilung haben die Währungshüter nur minimale Anpassungen vorgenommen. Das weltwirtschaftliche Umfeld wird etwas positiver gezeichnet. Die Inflationsprognose für 2017 hat die SNB aufgrund der Energiepreisentwicklung nach oben angepasst. Alles in allem rechnet die SNB somit nach wie vor nur mit einer sehr langsamen Reflationierung beziehungsweise graduellen Annäherung an die Zwei-Prozent-Marke.

Die SNB steht aufgrund des schwachen Inflationsumfelds und des Aufwertungstendenz beim Franken nach wie vor unter Druck, die Leitzinsen nochmals zu senken - in Richtung minus 1,00 Prozent. Gegen eine weitere Leitzinssenkung spricht allerdings, dass inzwischen die globale Trendwende in der Geldpolitik eingeleitet ist. Diese Tendenz zu Zinserhöhungen in anderen Regionen mindern den Aufwertungsdruck auf den Franken.

In den kommenden Wochen rechnen wir damit, dass aufgrund anhaltend positiver Konjunkturdaten die Leitzinserhöhungsspekulationen - in der Euro-Zone und den USA - zunehmen werden. Der Druck auf den Franken sollte somit weiter abnehmen. In Anbetracht dessen dürfte die SNB an ihrer abwartenden Haltung festhalten, zumal auch in der Schweiz der Konjunkturausblick positiv ist. Bis sich die abwartende Haltung allerdings in einen restriktiveren Kurs wandelt, wird noch einige Zeit verstreichen. Die erste SNB-Leitzinserhöhung dürfte erst 2019 kommen - nachdem die EZB ihrerseits Ende 2018 den ersten Schritt vollzieht.

URSINA KUBLI, BANK J. SAFRA SARASIN:

"Die starke Nachfrage nach dem Schweizer Franken dürfte sich in den kommenden Wochen wohl fortsetzen, wenn wegen der französischen Wahlen verstärkt sichere Häfen angesteuert werden. Die Zinserhöhung der Fed dürfte den Franken kaum schwächen. Ein stärkerer Dollar/Franken würde die SNB letztendlich überzeugen, weniger an den Devisenmärkten zu intervenieren und einen tieferen Euro/Franken zu erlauben.

Das Extremrisiko der niederländischen Wahlen ist ausgeblieben. Das ist ein guter Vorbote für die französischen Wahlen. Allerdings waren die niederländischen Wahlen nicht wirklich auf dem Radar der Finanzmarktteilnehmer. Entsprechend erwarten wir nicht, dass der Druck auf die SNB abnimmt."

MAXIME BOTTERON, CREDIT SUISSE:

"Momentan rechne ich nicht damit, dass die SNB eine Änderung ihrer Geldpolitik bekanntgibt. Was die zwischen dem 23. April 18. Juni angesetzten französischen Wahlen betrifft, dürfte die SNB keine Änderung der Geldpolitik riskieren. Ich denke nicht, dass eine inoffizielle Kursuntergrenze für den Wechselkurs Euro/Franken existiert. Der Euro könnte sich abschwächen. Ausgehend von der Wahl eines Pro-Europa eingestellten Präsidenten, dürfte sich der Fokus der SNB hin zur EZB, die möglicherweise ihr Anleihenkaufprogramm graduell reduziert, verlagern. Solch eine Entwicklung wäre für die SNB positiv, würde es ihr doch erlauben die Devisenkäufe zu reduzieren oder gar einzustellen. Eine leichte Aufwertung des Frankens könnte von der SNB also toleriert werden, würde aber weniger wahrscheinlich, wenn sich die Erwartungen einer graduellen Normalisierung der Geldpolitik in der Euro-Zone materialisieren.

Die Zinserhöhung der US-Notenbank wurde erwartet. Der Einfluss auf den Franken war daher limitiert. Grundsätzlich weitet sich durch die Zinserhöhung in den USA die Zinsdifferenz zwischen Dollar und Franken und macht Dollar-Anlagen attraktiver. Die sollte die Aufwertung des Frankens reduzieren.

Der Einfluss der Wahlen in den Niederlanden auf den Euro-Franken-Wechselkurs war bescheiden und nur kurzzeitig und hat nicht geholfen, den Druck auf den Franken zu reduzieren."

THOMAS GIZEL, VP BANK:

"Auch die SNB schwimmt im Fahrwasser der europäischen Politik. Für eine Zinssenkung bestand keine Notwendigkeit. Der Wirtschaftsausblick ist freundlich und die Inflationsrate liegt für eidgenössische Verhältnisse bei hohen 0,6 Prozent. Die SNB hob ihre bedinge Inflationsprognose von 0,1 auf 0,3 Prozent für das laufende Jahr an.

Die SNB behält sich weiterhin vor, an den Devisenmärkten zu intervenieren. Das Mittel des Währungseingriffes wurde zuletzt auch intensiv genutzt. Die eidgenössischen Währungshüter geben sich alle Mühe Aufwertungen des Franken zu begrenzen. Es ist zu vermuten, dass sich die Notenbanker vor dem schlimmsten Falle – also einem Sieg Le Pens bei den französischen Präsidentschaftswahlen – ein Stück weit absichern wollen, in dem sie den Franken vor dem Urnengang soweit wie möglich schwächen. Sollte es nämlich zu einer Flucht in den Franken im vor- oder nachgelagerten Zeitraum der Wahlen kommen, hätten die Währungshüter sich eine Art von Aufwertungspuffer verschafft."

Zunächst ist aber die gute Nachricht, dass in den Niederlanden ein politisches Erdbeben ausblieb. Der amtierende Ministerpräsident Mark Rutte und seine VVD machten das Rennen. Erneuter deutlicher Aufwertungsdruck auf den Franken dürfte deshalb ausbleiben." 

(Reuters)