Erste Reaktionen zur Zinsentscheidung der EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Leitzinsen noch lange niedrig halten. Das sagen Ökonomen in ersten Kommentaren.
19.01.2017 15:40
Euro-Symbol vor der ehemaligen Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Euro-Symbol vor der ehemaligen Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: cash

Der Schlüsselsatz werde weit über die Zeit des Anleihen-Kaufprogramms hinaus auf dem aktuellen Niveau von 0,0 Prozent oder sogar tiefer liegen, teilten die Währungshüter am Donnerstag mit. Sie bekräftigten, dass die Anleihenkäufe bis mindestens Ende 2017 weitergeführt werden sollen. Dabei soll ab April der monatliche Umfang von derzeit 80 auf 60 Milliarden Euro sinken. Ökonomen sagten dazu in ersten Reaktionen:

HOLGER SANDTE, NORDEA:

"Ich sehe keine Zugeständnisse der EZB an die Kritiker. Steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise allein sind kein Grund für eine straffere Geldpolitik. Auch wies Draghi darauf hin, dass der angestrebte Anstieg der Inflation im gesamten Euro-Raum sichtbar sein muss. Damit meint er: nicht nur in Deutschland. Nach meiner Einschätzung wird die EZB etwa bis Mitte 2018 Anleihen kaufen. Zinserhöhungen könnte es 2019 geben."

JÖRG ZEUNER, KFW:

"Die EZB trägt dem makroökonomischen Umfeld aus robustem Wachstum und steigender Inflation Rechnung: Sie wird ab April einen Schritt weniger expansiv. Wir wissen alle, dass die Inflationshochs nur vorübergehend sind. Wichtig ist, dass die Konjunkturerholung weitergeht und die Kerninflation ohne Energiepreise in Richtung Normalwerte steigt. Angesichts der politischen Unsicherheiten und schwacher Banken in Europa ist das keinesfalls garantiert. Je schneller sich die Euro-Mitglieder auf mutige gemeinsame Antworten auf die Herausforderungen aus den Nachbar- und Partnerländern einigen und ihre Architektur nachhaltig stärken, desto besser."

ALEXANDER KRÜGER, BANKHAUS LAMPE:

"Die EZB hatte wichtige Weichen im Dezember bereits gestellt, sie befand sich daher heute nicht in Zugzwang. Ihre weitgehend unveränderte Rhetorik überrascht somit nicht. Auch hinsichtlich der im Dezember etwas stärker gestiegenen Inflationsrate überwog Gelassenheit statt Hektik. Bleibt das Wirtschaftswachstum robust, wird sich beim Leitzins und bei den Wertpapierkaufvolumina 2017 nichts mehr tun. "

CHRISTOPH KUTT, DZ BANK:

"Draghi wird wohl weiter auf Zeit spielen und hinsichtlich der EZB-Strategie in ein Mantra verfallen, dass die niedrige Inflationsdynamik und Abwärtsrisiken wiederholt. Die nächsten EZB-Sitzungen drohen damit kein Knaller mehr zu werden. Und die Marktteilnehmer werden lernen müssen, ohne größere EZB-Impulse zurechtzukommen."

(Reuters)