Starregisseur Serebrennikow bleibt weiter in Hausarrest

Seit knapp zwei Wochen steht der russische Starregisseur Kirill Serebrennikow unter Hausarrest. Das Gericht gewährt dem Kremlkritiker nur eine Lockerung.
04.09.2017 16:46

Der russische Starregisseur Kirill Serebrennikow bleibt weiter in Hausarrest. Ein Moskauer Gericht lehnte am Montag den Einspruch der Verteidigung teilweise ab, wie die Agentur Interfax meldete. Der Hausarrest bleibt bis 19. Oktober mit Ausnahmen in Kraft. Dem 47-Jährigen werden jedoch täglich Spaziergänge erlaubt. Serebrennikow dürfe zwischen 18 und 20 Uhr abends innerhalb seines Stadtbezirkes unterwegs sein, hiess es.

Es sei ihm dabei jedoch nicht gestattet, sein Moskauer Gogol-Theater zu besuchen. Er darf auch keine Gäste in seiner Wohnung empfangen, die nicht vom Gericht genehmigt werden. Serebrennikow hatte gebeten, dass sein Yogalehrer und ein buddhistischer Geistlicher Zugang zu seiner Wohnung erhalten sollen.

Der regierungskritische Leiter des Gogol-Theaters steht seit knapp zwei Wochen wegen Betrugsverdachts unter Hausarrest. Die Ermittlungsbehörde wirft ihm vor, 68 Millionen Rubel (etwa 1,1 Million Franken) staatlicher Förderungen unterschlagen zu haben.

"Ich habe sowieso keine Möglichkeit zu flüchten oder mich zu verstecken", sagte der Regisseur. Der Anwalt hatte vorgeschlagen, Serebrennikow gegen eine Kaution in der Höhe des angeblichen Schadens freizulassen.

Die ehemalige Buchhalterin seiner Produktionsfirma "Siebtes Studio" hatte Serebrennikow schwer belastet. Die Ermittler werfen ihm vor, eine bestellte Inszenierung von William Shakespeares "Sommernachtstraum" sei nicht zustande gekommen. Die Aufführung ist allerdings mehrfach in Russland und im Ausland gezeigt worden.

Der Regisseur beteuerte bei dem Gerichtstermin abermals seine Unschuld. "Die Anschuldigung gegen mich ist absurd, erlogen und absichtlich fabriziert", sagte Serebrennikow. "Ich habe mich nie persönlich bereichert." Er sei ein ehrlicher Mensch, der sich nur mit Kunst beschäftige. "Ich lebe bescheiden."

Als er den Gerichtssaal verliess, wurde er von Unterstützern mit lautem Applaus und Zurufen vor dem Gebäude begrüsst. Dann wurde er in einem Auto zurück zu seiner Wohnung gebracht.

(SDA)