Steinmeier will "Negativspirale" mit Russland stoppen

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will bei seinem Russland-Besuch ausloten, wie schrittweise neues Vertrauen zwischen beiden Ländern aufgebaut werden kann.
25.10.2017 03:35

"Denn die Negativspirale der Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union in den letzten Jahren ist für beide Seiten schlecht. Und sie birgt auch für die Zukunft erhebliche Risiken", sagte Steinmeier vor seiner Abreise nach Moskau in einem Interview der russischen Tageszeitung "Kommersant".

Der deutsche Bundespräsident brach am Mittwochmorgen zu einem 25-stündigen Arbeitsbesuch in die russische Hauptstadt auf, wo er Präsident Wladimir Putin treffen wird. "Ich gehe zwar ohne Illusionen in dieses Gespräch", sagte Steinmeier. Aber die Bedeutung des deutsch-russischen Verhältnisses sei so gross, dass man es sich nicht erlauben könne, nicht miteinander zu sprechen. "Wir sind es unseren Völkern schuldig, einer weiteren Entfremdung zwischen Deutschen und Russen entgegenzuwirken."

Die deutsch-russischen Beziehungen sind seit der Annexion der ukrainischen Krim durch Russland 2014 und wegen der anhaltenden Kämpfe in der Ostukraine schwer belastet. Über diese Differenzen müsse man reden und auch ein einzelner Besuch werde sie nicht beseitigen, sagte Steinmeier. "Aber es geht mir darum, Wege aus der Negativspirale von Konfrontation, Vertrauensverlust und gegenseitigen Vorwürfen zu finden."

Eigentlicher Anlass des Steinmeier-Besuchs ist das Reformationsjubiläum, zu dem die russische Regierung die Moskauer Kathedrale St. Peter und Paul an die Evangelisch-lutherische Kirche Russlands zurückgibt. Der deutsche Bundespräsident will in Moskau auch den ehemaligen sowjetischen Staatschef Michael Gorbatschow treffen.

Steinmeier wird als erstes deutsches Staatsoberhaupt seit 2010 in Moskau Gespräche führen.

(SDA)