Nicht nur TrumpAuch EU-Staaten schotten sich vor Migranten ab

Die Pläne von US-Präsident Donald Trump, den bereits bestehenden Grenzzaun zu Mexiko auszubauen, hat grosse Empörung ausgelöst. Allerdings ist das Phänomen für die Europäer keineswegs neu.
04.02.2017 19:10
Ein Mann schaut durch das Gitter an der Grenze von Mexiko zur USA in Tijuana.
Ein Mann schaut durch das Gitter an der Grenze von Mexiko zur USA in Tijuana.
Bild: Bloomberg

Auch etliche EU-Staaten haben Zäune gegen illegale Immigration gebaut und errichten derzeit neue Abriegelungen. Sie sind Teil der Anstrengungen der Länder, zumindest die Landgrenzen des passfreien Schengenraums besser zu schützen - und sie haben Folgewirkungen, die durchaus umstritten sind. "Denn das Bauen eines Zauns ist die eine Sache: Sie müssen dann aber auch bewacht werden", sagte Marc Speer von der Nichtregierungsorganisation bordermonitoring, der auch vor zunehmender Gewalt an diesen Zäunen warnt. Die Kosten für die Zäune werden in Europa jeweils national getragen.

Spanien-Marokko

Die tief gestaffelten und teilweise sieben Meter hohen Zäune um die spanischen Exklaven Melilla und Ceuta in Nordafrika sind die grössten Grenzanlagen der EU-Staaten. In Ceuta wurde mit dem Bau der Anlagen 1993 begonnen, 2005 wurden sie auf sechs Meter erhöht. Erst im Januar diesen Jahres versuchten 1100 afrikanische Migranten die Absperrungen zu überwinden. Immer wieder gibt es dort Tote und Verletzte.

Griechenland-Türkei

2012 hat Griechenland einen Zaun an der Landgrenze zur Türkei gebaut - danach verlagerten sich die Grenzüberquerungen mehr auf die Seegrenze zwischen beiden Ländern in der Ägäis.

Mazedonien-Griechenland

Die mazedonische Regierung hat mit ungarischer Hilfe 2016 einen Zaun an der Grenze zum Schengen-Staat Griechenland gebaut. Dies hat dazu geführt, dass sich an dem Grenzübergang Idomeni teilweise Zehntausende Flüchtlinge und Migranten stauten, die auf der sogenannten Balkanroute nach Mitteleuropa weiterziehen wollten. Dieser Zaun ist ein Sonderfall: Hier baute ein Nicht-Schengen-Staat einen Zaun, um Menschen abzuhalten, die aus einem Schengen-Staat kommen.

Bulgarien-Türkei

Das EU-Mitglied Bulgarien verfügt ebenfalls seit Jahren über einen Zaun zur Türkei, um illegale Grenzübertritte zu verhindern.

Ungarn-Serbien, Ungarn-Kroatien

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise entschied das Schengen-Land Ungarn, einen Zaun an der 185 Kilometer langen Grenze zu Serbien zu bauen. Mittlerweile wird dieser Zaun verstärkt. Ungarns Regierung hat sogar einen Zaun an einem Teil der Grenze zum EU-Partner Kroatien gebaut.

Baltische Staaten-Russland

Aus Sorge davor, dass Russland verstärkt Flüchtlinge über die Grenze in die baltischen Staaten schickt, haben die baltischen Staaten begonnen, an verschiedenen Stellen der Grenze zu Russland einen Zaun zu bauen. Hintergrund ist die Sorge, dass Russland gezielt Migranten über die Grenze Estlands, Litauens und Lettlands schicken könnte.

Frankreich-Grossbritannien

Das Nicht-Schengen-Land Grossbritannien bezahlte dem Schengen-Land Frankreich mehrere Millionen Euro, damit die Regierung in Paris den Eingang des Eurotunnels unter dem Ärmelkanal bei Calais gegen Menschen abschottet, die nach Grossbritannien wollen. Auch dies ist ein Sonderfall, weil das Schengenland Frankreich hier die Grenzsicherung für Grossbritannien auf eigenem Gebiet übernimmt.

(Reuters)