Inflation - Was die Preise in Europa anheizt

Die Inflation im Euroraum liegt erstmals seit Jahren über dem Ziel der EZB. Doch der Preisauftrieb fällt in den einzelnen Ländern unterschiedlich aus.
04.03.2017 05:01
Teureres Tanken treibt die Inflationsrate in Deutschland nach oben.
Teureres Tanken treibt die Inflationsrate in Deutschland nach oben.
Bild: Bloomberg

Die Preise stiegen im Februar im Schnitt um 2,0 Prozent und damit einen Tick stärker, als der Europäischen Zentralbank lieb ist. Doch ein Blick auf die größten Volkswirtschaften zeigt, dass der Preisauftrieb durchaus unterschiedlich ausfällt: Neben dem überall spürbaren Höhenflug des Ölpreises spielen auch Wetterkapriolen eine Rolle. Ein Überblick:

DEUTSCHLAND

Hier ist die Inflation mit 2,2 Prozent bereits über den Zielwert der Währungshüter hinausgeschossen: Teureres Tanken, Heizen und Essen trieben die Rate nach oben. Energie verteuerte sich vergangenen Monat mit 7,2 Prozent besonders stark. Vor allem für Heizöl, Benzin und Diesel mussten die Bürger tiefer in die Tasche greifen. Das Ölkartell Opec hatte sich Ende vorigen Jahres im Kampf gegen ein Überangebot auf eine Förderkürzung geeinigt, was jetzt für steigende Preise sorgt. Und Nahrungsmittel kosteten 4,4 Prozent mehr als im Februar 2016, unter anderem wegen Missernten in südeuropäischen Ländern.

FRANKREICH

Anders als in Deutschland blieb ein Inflationsschub aus. Die Kosten für die Lebenshaltung zogen nur um 1,4 Prozent an. Noch im Januar lag die Teuerung bei 1,6 Prozent. Zu der überraschenden Abschwächung trug maßgeblich bei, dass sich verarbeitete Produkte verbilligten. "Wegen des harten Winter startete der Schlussverkauf später", erläutert Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Demnach wurden beispielsweise die Preise für Bekleidung erst im Februar gesenkt und nicht wie üblicherweise im Januar. Zugleich mussten auch die Franzosen für Energie und Nahrungsmittel tiefer in die Tasche greifen.

ITALIEN

In Italien zogen die Verbraucherpreise mit 1,6 Prozent stärker an als zu Jahresbeginn, als nur ein Wert von 1,0 Prozent erreicht wurde. Insbesondere die Kosten für Nahrungsmittel stiegen. Eine der Gründe: Widrige Witterungsbedingungen im Jahr 2016 sorgten dafür, dass die Olivenernte schlecht ausfiel und die Preise für Olivenöl anzogen. Auch viele Gemüsesorten verteuerten sich. Dennoch bleibt die Inflationsrate noch unter dem Zielwert der EZB von knapp zwei Prozent.

SPANIEN

Wegen teurerer Energie sind die Preise in Spanien so schnell wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr gestiegen. Waren und Dienstleistungen kosteten im Februar 3,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit liegt die Teuerungsrate den zweiten Monat in Folge deutlich über der EZB-Zielmarke. Auch in diesem südeuropäischen Land sorgten Wetterkapriolen dafür, dass beispielsweise die Preise für Gemüse anziehen. Im Dezember kam es zu kräftigen Regenfällen und im Januar sogar zu Schnee - bis in südliche Gefilde.

(Reuters)