Stress verursacht 7,6 Milliarden Franken Verlust im Jahr

Jeder dritte Arbeitnehmende in der Schweiz leidet unter Stress, mehr als die Hälfte fühlt sich durch den Job emotional erschöpft. Dadurch entgehen den Unternehmen jährlich Arbeitsleistungen im Wert von 7,6 Milliarden Franken. Ein gutes Arbeitsklima könnte helfen.
03.09.2020 12:15

Stress heisst nicht einfach zu viel Arbeit. "Stress ist das wahrgenommene Ungleichgewicht zwischen Arbeitsbelastungen und Ressourcen", schreibt Gesundheitsförderung Schweiz, die seit 2014 den Job-Stress-Index erhebt.

Die wirkungsvollste und gleichzeitig kostengünstigste Variante der Aufstockung der Ressourcen ist für Unternehmer das gute Arbeitsklima: Gemeint sind motivierende Arbeitsbedingungen wie zum Beispiel eine allgemeine Wertschätzung, genügend Handlungsspielraum, eine Ganzheitlichkeit der Aufgaben, oder unterstützendes Vorgesetztenverhalten.

"Wer mehr von diesen Ressourcen am Arbeitsplatz erfährt, hält auch höheren Belastungen stand, ohne darunter zu leiden", schreibt Gesundheitsförderung Schweiz in einer Mitteilung vom Donnerstag. Gerade die vermehrte emotionale Unterstützung durch Vorgesetzte böte sich als Massnahme an, denn die Führungskräfte haben gemäss der Erhebung die besten Job-Stress-Index-Werte.

Unter die Arme greifen müssten Chefs und Chefinnen vor allem den Jungen: Auf der Skala von 0 bis 100 haben jüngere Arbeitskräfte mit 52,18 den ungünstigsten Wert. Als zentrale Stressoren gelten qualitative Überforderung und sozialer Stress mit den Arbeitskolleginnen und -kollegen sowie Zeitdruck und die Planung der Zukunft. Gütige, altmodische Patrons und Patronnes, die sich um die Stifte kümmern, könnten demnach die Produktivität steigern.

Das würde sich auch finanziell lohnen, "zumal durch Arbeitsstress wichtiges Wertschöpfungspotenzial verloren geht", schreibt Gesundheitsförderung Schweiz. 7,6 Milliarden Franken, haben die Index-Verfasser ausgerechnet, wären bereits durch ein ausgeglichenes Verhältnis von Ressourcen und Belastungen zusätzlich herauszuholen.

Laut der Erhebung operiert ein Viertel der Erwerbstätigen im grünen, Bereich, was bedeutet, dass ihre Ressourcen ausreichen, um die arbeitsbedingten Belastungen auszugleichen. 45,5 Prozent der Befragten, befinden sich im sensiblen Bereich, also auf Stufe gelb, wo sich Belastungen und Ressourcen gerade noch die Waage halten.

Drei von zehn Arbeitnehmenden sind schon jenseits dieser Grenze auf Stufe rot angelangt. Bei ihnen ist die Belastung grösser als die Ressourcen. Dieser Wert ist seit der ersten Messung im Jahr 2014 von etwa einem Viertel auf mittlerweile fast schon einen Drittel angestiegen.

(SDA)