Studie: Durchbruch bei Behandlung von schwersten Lähmungen

Wissenschaftlern in den USA ist nach eigenen Angaben ein Durchbruch bei der Behandlung eines an allen Gliedmassen Gelähmten gelungen. Sie konnten dem gelähmten Mann die teilweise Kontrolle seines rechten Arms und seiner Hand wiedergeben.
29.03.2017 02:03

Der Fall wird in einer am Mittwoch im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichten Studie beschrieben. Danach konnten Experten an der Privathochschule Western Reserve University in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio einem seit fast zehn Jahren von den Schultern abwärts gelähmten Mann die teilweise Kontrolle und Steuerungsfähigkeit über seinen rechten Arm und seine Hand wiedergeben.

Bill Kochevar war bei einem schweren Fahrradunfall verletzt worden. Dem Lancet-Artikel zufolge handelt es sich bei der Behandlung um eine medizinische "Premiere", bei der die Wirbelsäulenverletzung mit einer speziellen Neuroprothese überbrückt werde.

"Unseres Wissens ist es das erste Mal weltweit, dass ein Mensch mit schweren und chronischen Lähmungen durch unmittelbare Gehirnaktivität seinen Arm und seine Hand bewegt, um zielgerichtete Bewegungen auszuführen", erklärte einer der Autoren der Studie, Bolu Ajiboye, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Dazu wurden dem 56-jährigen Patienten Bill Kochevar zwei Cluster von mehreren Dutzend Elektroden operativ in den Kopf eingepflanzt - beide nicht grösser als kleine Tabletten.

Über diese Elektroden werden Gehirnsignale gemessen, die dann direkt an einen Computer weitergegeben und von diesem interpretiert werden. Die Muskulatur wird anschliessend wiederum über zahlreiche Elektroden im Ober - und Unterarm Kochevars stimuliert.

Das Verfahren - die Elektroden wurden bereits 2014 eingepflanzt - habe es Kochevar nach rund einem Jahrzehnt Lähmung nun ermöglicht, selbstständig etwas Kaffee zu nippen, sich an der Nase zu kratzen und Kartoffelpüree zu essen.

Den Arm konnte er mit Hilfe einer Hebevorrichtung bewegen, die er ebenfalls über seine Gehirnaktivitäten lesende Elektroden steuerte, heisst es in der Studie.

(SDA)