Studie: Vorteile automatisierter Fahrzeuge kommen nicht von alleine

Selbstfahrende Fahrzeuge können den Verkehr in Städten sicherer und leistungsfähiger machen. Damit automatisiertes Fahren diese Vorteile bringen kann, sind allerdings Regelungen nötig.
31.10.2017 12:05

Das ist das Fazit einer Studie, die der Schweizerische Städteverband am Dienstag in Bern präsentierte. Analysiert wurde eine Abfolge von sechs Entwicklungs-Zuständen der Automatisierung. Beteiligt waren vier Städte und Kantone, mehrere Verkehrsbetriebe, der Städteverband und weitere Institutionen sowie der Basler Fonds.

Wie die Entwicklung verlaufen wird, hängt allerdings von technischen Fortschritten ab sowie von den rechtlichen Rahmenbedingungen, der Akzeptanz der Bevölkerung und auch von politischen Entscheiden. Aus Sicht von Städten und Kantonen biete automatisiertes Fahren indes zahlreiche Chancen, heisst es in der Studie.

Als Chance bezeichnen sie die Kombination von individuellen und öffentlichen Verkehrsmitteln, deren Fahrten über eine zentrale Plattform organisiert werden könnten. Auch könnten einzelne Orte besser erschlossen werden und auf Strassen und Parkflächen könnte mehr Kapazität geschaffen werden.

Der Gang der Automatisierung hängt in den Augen der Studien-Autoren neben der Technik wesentlich von den Behörden ab, etwa den Fahrzeug-Zulassungsstellen. Eine Herausforderung für die Behörden wäre auch die Kooperation und Koordination mit Herstellern und Anbietern neuer Techniken. Fragen stellen sich auch bei der Haftung.

Faktoren für die Automatisierung sind dem Bedarf der Fahrzeuge entsprechende Systeme für die Datenübertragung und digitale Infrastruktur. Strassen müssen angepasst und eingerichtet werden, wenn sie künftig gleichzeitig für automatisierte und für nicht automatisierte Fahrzeuge benutzbar sein sollen.

Regeln für die Strassenbenutzung bleiben laut Studie zentral. Zunächst ginge es darum, automatisierte Fahrzeuge überhaupt benutzbar zu machen. "Eventuell" und "viel später" wäre auch eine Anwendungspflicht ein Thema. Die Studie erwartet eine Phase, in der automatisierte Fahrzeuge mehr können als sie dürfen.

Die erwartete steigende Nachfrage nach Fahrten ruft nach Lenkungsmassnahmen. Gründe für höheres Verkehrsaufkommen sind neue Angebote wie automatisierte Rufbusse oder Leerfahrten, besonders beim Bringen und Abholen. Auch Kinder oder alte Menschen, die heute nicht fahren dürften, können dereinst ein Selbstfahr-Auto benutzen.

Verkehrsplanung, verkehrstechnischen Massnahmen und Verkehrspolitik sind gefragt, wenn es darum geht, den automatisierten Verkehr in geordnete Bahnen zu lenken. Die Autoren nennen ein intelligentes Verkehrsmanagement, eine Pflicht zu hochautomatisierten Fahrzeugen in Stauzonen oder örtliche Tempo-Anpassungen für einen flüssigeren Verkehr.

Die Studie geht davon aus, dass sich die Konkurrenz zwischen öffentlichem und individuellen Verkehr verschärft. Dabei spielten Mischformen eine spezielle Rolle: Automatisierte Fahrzeuge können ohne Passagiere an Bord den Standort wechseln oder - dank Weg-Anmeldungen - von mehreren Menschen benutzt werden.

Automatisiertes Fahren dürfte sich auf Autobahnen schneller durchsetzen als in Städten. Autobahnen seien geschlossene Systeme, so die Studie: Dort verkehrten nur Automobile, die Fahrtrichtungen seien getrennt und Konflikte gebe es lediglich wegen Spurwechseln, und es gebe fortgeschrittene Fahrassistenten.

Auch auf Schienen wäre die Automatisierung weniger komplex. Nicht nur sind die Fahrzeuge auf festen Linien unterwegs, sondern sie werden auch in Flotten eingekauft und erneuert. Anderseits ist einmal beschafftes Rollmaterial langlebiger als Motorfahrzeuge.

Vollautomatisiertes Fahren ist in der Schweiz heute verboten - eine Ausnahme sind Tests wie die seit Juni 2016 laufenden Versuche mit Mini-Postautos in Sitten. Auch in anderen Schweizer Städten sind Versuchsbetriebe mit fahrerlosen Bussen geplant.

(SDA)