Tausende Texaner fliehen vor Flut - noch mehr Regen bis Ende Woche

Unablässiger Starkregen in der Folge des Hurrikans "Harvey" hat in der texanischen Metropole Houston Tausende Menschen zur Flucht gezwungen. Die Meteorologen erwarten weiter steigende Wasserstände bis Ende der Woche.
28.08.2017 15:44

Allein das Rote Kreuz bereitete sich in der Nacht zum Montag auf die Versorgung von bis zu 28'000 Personen vor, die durch die Fluten obdachlos geworden sind. Das Sheriffsbüro des Landkreises Harris setzte zur Rettung Motorboote ein, andere Menschen wurden auf Lastwagen in Sicherheit gebracht.

An den Rettungseinsätzen vor Ort beteiligten sich ausser Feuerwehr und Polizei auch tausende Nationalgardisten sowie die Zivilbevölkerung.

Die städtische Katastrophenschutzbehörde forderte die Einwohner auf, sich aufs Dach zu retten, wenn das oberste Stockwerk ihres Hauses nicht mehr sicher sei. Die Stadt bot öffentliche Gebäude als Notunterkünfte für Menschen an, deren Häuser überflutet wurden.

Die genaue Zahl der Obdachlosen war unklar. Die Behörden rechneten damit, dass sie mehr als 30'000 Menschen in Notunterkünften unterbringen müssen.

Im Grossraum Houston waren am Montagmorgen mehr als 220'000 Menschen ohne Strom. Der Flugbetrieb an den beiden Flughäfen der texanischen Metropole kam zum Erliegen, darunter auch das vielgenutzte Luftverkehrsdrehkreuz George Bush Intercontinental Airport. Auch die Schulen wurden geschlossen. Zwei Spitäler mussten evakuiert werden. Bis in die Innenstadt Houstons hinein sind Strassen unpassierbar, nach Behördenangaben sind alle Autobahnen in der Umgebung überschwemmt.

Auch ausserhalb Houstons machte der Sturm viele Häuser dem Erdboden gleich. Verschmutzes Trinkwasser wurde mehr und mehr zum Problem. Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, Trinkwasser abzukochen.

Laut Vorhersagen soll die viertgrösste Stadt der USA auch in den kommenden Tagen von schweren Regenfällen heimgesucht werden. Die Stadt Dallas bereitet sich auf Tausende Gestrandete vor. Sie machte ihr Kongresszentrum zu einer Herberge für Flutopfer, wie CNN berichtete. Bis zu 5000 Menschen können dort unterkommen.

Präsident Donald Trump will sich am Dienstag vor Ort ein Bild von der Lage machen. Auf Ersuchen des texanischen Gouverneurs Greg Abbott hatte Trump bereits am Freitag für Teile von Südtexas den Notstand ausgerufen. Damit können rascher Bundeshilfen ins Katastrophengebiet fliessen. Trump rief auch für den Bundesstaat Louisiana den Katastrophenfall aus

Abbott erklärte 50 Bezirke zu Notstandsgebieten. Ihm zufolge sind 3000 Angehörige der Nationalgarde aktiviert und 250 Fernstrassen geschlossen worden. Insgesamt gab der Nationale Wetterdienst der USA (NWS) Flutwarnungen für ein Gebiet von New Orleans bis nahe San Antonio heraus. Betroffen wären damit etwa 13 Millionen Menschen.

Die Behörden sprachen zunächst von zwei Todesopfern: Eine Frau aus Houston blieb mit ihrem Auto in den Fluten stecken und ertrank beim Aussteigen. Das zweite Todesopfer fanden Helfer in der Küstenstadt Rockport bei Corpus Christi.

"Wir sehen noch nie dagewesene Niederschlagsmengen", sagte der Chefmeteorologe Steve Bowen vom Rückversicherer Aon Benfield. Die Experten gehen von weiter steigenden Wasserständen bis Ende der Woche aus. An mehreren Staudämmen wurde in der Nacht zum Montag zur Entlastung der Anlagen Wasser abgelassen, was die Überflutungen weiter verschärfte.

"Harvey" bedeutet auch für die in der Region von Houston vorherrschende Ölindustrie einen schweren Schlag. Viele Raffinerien sind geschlossen, teilten unter anderem die Ölkonzerne Shell und Exxon mit. Experten gehen davon aus, dass derzeit 22 Prozent der Ölförderung im Golf von Mexiko stillstehen und täglich eine Million Barrel (je 159 Liter) Öl nicht verarbeitet werden.

Im Landkreis Fort Bend wurden 50'000 Menschen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen, um sich vor den steigenden Pegelständen des Flusses Brazos in Sicherheit zu bringen. Die Behörden sprachen von der höchsten Marke seit mindestens 800 Jahren.

"Harvey" war in der Nacht zum Samstag als Hurrikan mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 210 Kilometern in der Stunde über die Küste von Texas hinweggefegt. Damit war er der stärkste Sturm in dem US-Bundesstaat seit 1961. Zwar hat er sich über Land abgeschwächt und wurde in der Nacht auf Montag zum Tropensturm zurückgestuft.

Allerdings bringt er riesige Regenmengen mit sich und bewegte sich zunächst kaum vom Fleck. Experten gehen davon aus, dass einige Teile der betroffenen Region in einer Woche so viel Regen erhalten könnten wie sonst im ganzen Jahr.

Das Zentrum des Sturms lag am Montagmorgen etwa 150 Kilometer von Houston entfernt und sollte sich bis Mittwoch in einem Bogen langsam auf die Stadt zubewegen.

Zudem bahnte sich über die Flüsse neues Ungemach an. Etwa 240 Kilometer von Houston entfernt gingen heftige Schauer auf die stromaufwärts gelegenen Abschnitte nieder. Auch diese Wassermassen bewegen sich auf die Stadt zu.

gerufen. Das Weisse Haus verkündete am Montag die Entscheidung, auf deren Grundlage Bundesmittel zur Behebung von zu erwartenden Sturmschäden freigegeben werden können. Zuvor hatte Trump bereits den Katastrophenfall für den Bundesstaat Texas ausgerufen, der bislang am stärksten von den Sturmfolgen betroffen ist.

(SDA)