Terrorverdacht nach Einsatz in Brandenburg noch nicht vom Tisch

Nach der Festnahme eines Verdächtigen im ostdeutschen Eisenhüttenstadt prüft die Polizei einen terroristischen Bezug. Der Terrorverdacht gegen den zum Islam konvertierten Mann sei "noch nicht vom Tisch", sagte Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke am Abend.
18.08.2016 03:27

Bei dem Mann sei Propagandamaterial gefunden worden, das die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verherrliche. Vor diesem Hintergrund hat der Staatsschutz am Mittwoch die weiteren Ermittlungen gegen den Deutschen ohne Migrationshintergrund übernommen. Der Mann gelte als "psychisch nicht gefestigt".

Bei Wohnungsdurchsuchungen waren zuvor grössere Mengen Feuerwerkstechnik sichergestellt worden. Die Beamten fanden sieben Poster mit IS-Symbolen, eine Softair-Kalaschnikow, Tarnanzug, Schutzweste, Gasmaske, Cannabis und 37 teils verbotene Knallkörper mit Schwarzpulver. "Damit kann man mehr machen", sagte der Polizeipräsident zu den pyrotechnischen Teilen mit Blick auf eine mögliche Anschlagsplanung.

Zudem habe der Mann im Internet Videoclips gepostet, die ihn im Tarnanzug mit einer Kalaschnikow-Attrappe und arabischen Schriftzeichen zeigten. Belege für konkrete Kontakte des Festgenommenen zur IS-Miliz lägen aber nicht vor.

Mit seinen Äusserungen revidierte Mörke zum Teil frühere Angaben der Polizei vom Nachmittag, wonach sich der Terrorverdacht "nicht erhärtet" habe und kein IS-Propagandamaterial gefunden worden sei. Brandenburgs Polizeipräsident stellte am Abend klar: "Wir sind mitten in den Ermittlungen, und die Sache läuft gegenwärtig ergebnisoffen." Der Terrorverdacht "kann sich bestätigen, muss sich aber nicht bestätigen".

Der 27-jährige Verdächtige werde weiter verhört. Der Deutsche sei vor etwa sieben Jahren zum Islam konvertiert. Vor einigen Wochen habe er behördlich eine Koranverteilung in Eisenhüttenstadt angemeldet, diese dann aber nicht vorgenommen. Der Polizei sei er bereits bekannt wegen Drogen- und Bedrohungsdelikten. Die Beamten des Spezialeinsatzkommandos hätten am Mittwoch die Wohnung des Mannes, die seiner Mutter sowie eine Gartenlaube untersucht und dort Material sichergestellt.

Die Ermittlungen seien am Sonntagabend ins Rollen gekommen, nachdem aus der Bevölkerung "sehr vage Hinweise" eingegangen seien, wonach der Mann von Plänen über einen Anschlag auf das Eisenhüttenstädter Stadtfest in zwei Wochen gesprochen habe, sagte Mörke.

Am Nachmittag hatte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke mitgeteilt, es sei ein Verdächtiger festgenommen worden, der einen terroristischen Anschlag geplant haben soll. Die Polizei ermittle wegen des Verdachts auf Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags.

(SDA)