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«2014 drohen Kursrückschläge»

Die Party-Stimmung an der Börse könnte nach dem Jahreswechsel zu Ende gehen, sagt Joachim Klement. Im cash-Börsen-Talk äussert er sich zu den Gründen und sagt, welche Titel trotzdem noch kaufenswert sind.
02.11.2013 03:31
Von Pascal Meisser
Joachim Klement im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Der geldpolitische Entscheid der US-Notenbank Fed von dieser Woche hat die Anleger weltweit etwas ratlos zurückgelassen. Zwar ist erwartet worden, dass die Anleihekäufe von monatlich 85 Milliarden Dollar unverändert bleiben. Dennoch hätten sich die etliche Marktteilnehmer gewünscht, dass sich die Fed präziser zum Zustand der amerikanischen Wirtschaft äussert. 

Diese Ausgangslage erschwert die Prognose zur mittelfristigen Entwicklung der Aktienmärkte deutlich. "Es hängt vieles von der Fed und den US-Politikern ab, wie die Börsen in den nächsten Monaten performen werden", sagt Joachim Klement im cash-Börsen-Talk. Der Chefstratege des Beratungsbüros Wellershoff & Partners geht allerdings von einem negativen Szenario aus. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass es im ersten Halbjahr 2014 an den Finanzmärkten zu deutlichen Rückschlägen kommt."

Ein Bärenmarkt-Szenario wäre für ihn gar ein wünschenswertes, wenn nicht gar nötiges Szenario. "Nur so kommen die Börsen wieder auf ein vernünftiges Mass zurück", sagt Klement. Zugleich würde eine Kurskorrektur wieder neue Einstiegschancen bieten. 

Besonders pessimistisch ist Klement 2014 für die amerikanischen Börsen. Aus langfristiger Sicht sei dieser einer der teuersten Märkte, sagt Klement und bezieht sich dabei auf eine eigene Studie. Er bewertet deshalb die US-Börse zumindest auf fünf Jahre hinaus als "eine der unattraktivsten". 2014 werden seiner Meinung nach die europäischen Börsen gegenüber der amerikanischen besser performen. 

Kopf-an-Kopf-Rennen der Indizes

Noch dieses Jahr hätte sich eine solche Differenzierung nicht ausbezahlt. Seit Januar liefern sich die Indizes ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der SMI liegt mit 21 Prozent vorne, knapp dahinter folgen der spanische Ibex (plus 20 Prozent) sowie der Dow Jones und der Dax (je plus 19 Prozent). Deutlich schlechter performte der Euro Stoxx 50, der "nur" 15 Prozent hinzugewann.  

Für eine Bevorzugung europäischer Aktien in nächster Zeit spricht aber nicht nur die günstigere Bewertung, sondern die zunehmenden Anzeichen einer konjunkturellen Erholung. So hatte am Donnerstag Spanien bekanntgegeben, die längste Rezession in der jüngeren Geschichte überwunden zu haben. So hat das Land nach zwei Jahren wieder ein Wirtschaftswachstum erzielt. 

Auf Konsumtitel setzen

In diesem Umfeld empfiehlt Klement europäische Konsumtitel, denn "mit der besser werdenden Konjunktur zieht auch die Konsumlust wieder an", wie der Chefstratege von Wellershoff & Partners sagt. So gehören zu seinen Favoriten Titel wie der grösste spanische Lebensmittelhersteller Ebro Foods oder die französische SEB, die Elektrokleingeräte unter bekannten Labels wie Tefal oder Moulinex vertreibt. Weitere bevorzugte Aktien sind BSkyB und British Telecom aus Grossbritannien.

Auch in der Schweiz gibt es im Konsumbereich interessante Titel. In seinem Fokus stehen dabei vor allem der Automobilzulieferer Georg Fischer. Für eher defensiv orientierte Anleger sieht er bei der Novartis-Aktie noch zusätzliches Kurspotenzial. 
 

Im cash-Börsen-Talk sagt Joachim Klement zudem, wieso die Schwäche des Dollar zu einem Hauptthema für 2014 wird und wieso die US-Notenbank Fed in eine Vertrauenskrise hinein laufen könnte.