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«2016 werden wir eine Rüttelbörse haben»

cash-Guru Alfred Herbert kommentiert im cash-Börsen-Talk die Zinserhöhung der Fed und den Verlauf der Börsen 2015 und 2016. Er sagt zudem, wer das Performancerennen von UBS und Credit Suisse im nächsten Jahr gewinnt.
18.12.2015 01:00
Von Daniel Hügli
cash-Guru Alfred Herbert im Börsen-Talk vom 18. Dezember 2015.
Bild: cash

Die erste Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) seit Juni 2006 hat den Aktienmärkten kräftig Auftrieb verliehen. Der Swiss Market Index stieg am Tag nach der Zinserhöhung am Donnerstag zeitweise um 2 Prozent. Am Markt ist die Unsicherheit über den Zeitpunkt der Zinsanhebung nun weg.

Die Börsen profitieren seit Jahren stark vom billigen Geld der Notenbanken weltweit. Die Frage ist nun, ob die Börsen den Schub werden halten können - und wie stark und in welchem Rhythmus die US-Notenbank die Zinsen wie angekündigt weiter anheben wird. 

"Wichtig wird kurzfristig der Verlauf des US-Weihnachtsgeschäftes sein und mittelfristig die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen", sagt cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk, dem letzten des Jahres 2015. "Es gibt zwar kein Gratis-Geld mehr, aber das Geld bleibt weiterhin sehr billig". Das spricht eigentlich mangels anderer Anlagemöglichkeiten weiterhin für Aktienengagements und steigende Börsen.

Allerdings bleiben grosse Unsicherheitsfaktoren. Dies sind laut Herbert nicht primär wirtschaftliche Entwicklungen, sondern politische Unabwägbarkeiten. "Fürs ganze Jahr 2016 rechne ich daher mit einer Rüttel- und Schüttelbörse", sagt Herbert im Börsen-Talk. Er verweist diesbezüglich auch auf die hohe Volatilität, welche im Markt derzeit herrsche. 

2016 für Schweizer Anleger nicht erfreulich

Schon das Jahr 2015 sieht für Schweizer Anleger nicht besonders erfreulich aus. Die Aufs und Abs am Schweizer Markt waren ziemlich ausgeprägt: Es gab drei grosse Rücksetzer: Nach der schlagartigen Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze im Januar, bei den Wachstumssorgen in China im September, und nach der Enttäuschung über die geldpolitischen Entscheide der Europäischen Zentralbank beziehungsweise die Unsicherheit über den Fed-Zinsentscheid im Dezember.

Das hat zur Folge, dass der Swiss Market Index (SMI) in diesem Jahr mit drei Prozent im Minus liegt. Nur vier der 20 SMI-Aktien weisen eine positive Performance auf (zur Tabelle). Am viertbesten schnitt die UBS ab mit einem Plus von 9 Prozent. Auffallend ist dabei das viel schlechtere Abschneiden des Konkurrenten Credit Suisse in diesem Jahr (Aktie minus 17 Prozent).

Laut Herbert wird die UBS-Aktie auch im Jahr 2016 besser abschneiden als diejenige der Credit Suisse. "Die UBS hat ihr Haus schon weit vorher in Ordnung gebracht und hat einen Vorsprung von mindestens einem Jahr", sagt Herbert. Dazu werde die zweiteilige Kapitalerhöhung, welche die CS in diesem Herbst durchgeführt hat, auch im nächsten Jahr noch ihre Auswirkungen haben.

Auch der neue CEO Tidjane Thiam stimmte die Investoren schon mal darauf ein, dass die neue Strategie der Bank - Verkleinerung der Investmentbank, Wachstum in Asien und vermehrte Kostenkontrolle - nicht sofort Früchte tragen wird. "2016 wird ein schlechtes Jahr sein wegen der Restrukturierungskosten", sagte Thiam in einem Interview.

Aktien aus dem grosskapitalisierten Bereich

Ein anderes Sorgenkind ist Zurich Insurance Group. Die Aktie des grössten Schweizer Versicherers hat in diesem Jahr 20 Prozent verloren und ist damit der fünftgrösste "Loser" im SMI hinter Transocean, LafargeHolcim und den beiden Uhrenproduzenten Swatch und Richemont. Die Zurich-Aktie war in der Vergangenheit auch immer einer der Aktienfavoriten von Alfred Herbert.

"Der Kursverlauf bereitet natürlich keine Freude. Aber ich empfahl die Aktie immer aus Dividendenüberlegungen. Wer diese Aktie langfristig hält, kann ruhig darauf schlafen. Man sollte dabei bleiben". Herbert glaubt nicht, dass der Nachfolger des Anfang Dezember zurückgetretenen CEO Martin Senn an der grosszügigen Dividendenpolitik des Konzerns rütteln wird. Dies liessen die mächtigen Aktionäre wohl nicht zu, sagt Herbert.

Aufgrund des wahrscheinlichen Einflusses von politischen Ereignissen auf die Börsen empfiehlt Herbert auch 2016 Aktien aus dem grosskapitalisierten Bereich und hier vor allem defensive Werte: Pharma (Novartis, Roche), Nahrungsmittel (Nestlé) und Versicherer.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Alfred Herbert ausführlich zum Zinsentscheid der Fed und zum Zerfall des Ölpreises.