ABB-Aktie dank Dividendenfantasien gefragt

Der Quartalsumsatz von ABB fällt stärker als erwartet. Unerwartet starke Fortschritte auf der Kostenseite wecken jedoch Dividendenfantasien. Folglich wird die Aktie mit satten Kursavancen belohnt.
21.07.2016 11:28
Von Lorenz Burkhalter
Er hat die Kosten fest im Griff: ABB-Chef Ulrich Spiesshofer.
Er hat die Kosten fest im Griff: ABB-Chef Ulrich Spiesshofer.
Bild: Bloomberg

Was die Spatzen am Hauptsitz von ABB in Zürich schon seit Wochen von den Dächern pfeifen, ist seit heute Gewissheit: Dank deutlichen Fortschritten auf der Kostenseite übertrifft der Zahlenkranz die Analystenerwartungen beim operativen Gewinn (EBITA) und beim Reingewinn ziemlich deutlich.

Das ändert allerdings nichts daran, dass sich der Umsatz gegenüber dem zweiten Quartal letzten Jahres stärker zurückgebildet hat, als im Vorfeld befürchtet worden war. Noch deutlicher ist der Rückgang beim Auftragseingang.

Dennoch scheinen die Anleger den Kosteneinsparungen ein höheres Gewicht beizumessen, gewinnt die ABB-Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde doch 1,7 Prozent auf 20,41 Franken. Im frühen Handel wurden sogar Kurse von bis zu 20,59 Franken bezahlt. Beobachter berichten von einer Mischung aus Anlage- und Deckungskäufen.

Das Umfeld bleibt schwierig

Obschon der für die Deutsche Bank tätige Analyst die Aktie schon eine ganze Weile mit einem Kursziel von 18 Franken zum Verkauf empfiehlt, bezeichnet er die Geschäftsumsetzung im zweiten Quartal als solide. Gerade in den Geschäftszweigen Power Grids und Electrification Products seien dem Unternehmen auf der Kostenseite deutliche Fortschritte gelungen. Auch am 80 Prozent über dem Vorjahr liegenden operativen Cash Flow findet der Experte sichtlich Gefallen.

Intraday-Chart der Leonteq-Aktie, Quelle: www.cash.ch

Gleichzeitig warnt er jedoch vor dem weiterhin schwierigen Umfeld. Die Auftragslage sei weiterhin schlecht und der Auftragsbestand liege leicht unter dem Umsatz, so der Analyst.

Quartalsergebnis weckt Dividendenfantasien

Auch sein Berufskollege von der UBS Investmentbank begrüsst die im zweiten Quartal erzielten Kosteneinsparungen. Seinen Berechnungen zufolge konnten die Erwartungen beim operativen Gewinn (EBITA) auf Gruppenebene trotz 12 Prozent höheren Restrukturierungskosten um 6 Prozent übertroffen werden. Dennoch geht er in Anbetracht des schwierigen Umfelds nur von leichten Schätzungserhöhungen aus. Die Aktie wird bei der Schweizer Grossbank mit "Neutral" und einem 19,50 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel eingestuft.

Wie bei der Deutschen Bank hakt man bei Barclays Capital bei der starken Barmittelgenerierung ein. Wie einem Kommentar der britischen Grossbank entnommen werden kann, hat sich der für die Dividende wichtige freie Cash Flow bei ABB im Jahresvergleich auf 904 Millionen Dollar verdoppelt. Trotz den verhaltenen Aussichten in den Absatzmärkten empfiehlt der Verfasser des Kommentars die Aktie mit "Overweight" und einem Kursziel von 21,50 Franken zum Kauf.

Der für Kepler Cheuvreux tätige Experte zeigt sich ebenfalls positiv überrascht von der starken Barmittelgenerierung. Er wähnt das Unternehmen auf Zielkurs, das Umlaufvermögen um 2 Milliarden Dollar zu reduzieren. Und auch wenn er es nicht explizit schreibt, so lässt er zumindest durchblicken, dass davon auch die Ausschüttungspolitik von ABB profitieren sollte. Aufgrund des widrigen Branchenumfelds hält er am Anlageurteil "Hold" sowie am Kursziel von 20 Franken fest.