ABB-Aktie grenzt Kursverluste ein

Obschon ABB einmal mehr mit einem enttäuschenden Zahlenkranz aufwartet, wird unbeirrt an den Mittelfristzielen festgehalten. Die Aktie kann frühe Kursverluste eingrenzen.
05.02.2015 11:41
Von Lorenz Burkhalter
ABB verfehlt im Schlussquartal die Erwartungen. Nun schwächelt auch noch das Automationsgeschäft.
ABB verfehlt im Schlussquartal die Erwartungen. Nun schwächelt auch noch das Automationsgeschäft.
Bild: ZVG

(Ergänzt um Aussagen aus dem Berufshandel und die aktuellen Kursnotierungen)

Die Einstellung der Kaufempfehlung für die ABB-Aktie durch die Nordea Bank weniger als 24 Stunden vor der Ergebnisveröffentlichung hätte es erahnen lassen müssen: Der Zahlenkranz für das Schlussquartal des Geschäftsjahres 2014 fällt an allen Ecken und Enden deutlich schwächer als erwartet aus.

Anders als nach den ersten neun Monaten beginnt nun auch noch der Auftragseingang zu schwächeln. Dennoch halten die Entscheidungsträger am Hauptsitz in Zürich unbeirrt an den erst im vergangenen Herbst kommunizierten Mittelfristzielen fest. Allerdings liegt diesen ein Rohölpreis von 100 Dollar je Fass zugrunde.

Die Reaktion der Aktie an der Schweizer Börse SIX lässt keine Zweifel offen, dass den Mittelfristzielen nicht mehr länger vertraut wird. Allerdings verliert sie zur Stunde nur noch 0,5 Prozent auf 18,39 Franken. Damit kann sie den im frühen Handel beobachteten Kurseinbruch auf 17,54 Franken deutlich eingrenzen. Beobachter berichten mittlerweile von grösseren Deckungskäufen aus dem Ausland - es macht den Anschein, als sei der ernüchternde Zahlenkranz bereits erwartet worden.

Ergebnisenttäuschung zeichnete sich ab

Der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst beurteilt den Auftragseingang als neutral, die Umsatzentwicklung als leicht negativ und den operativen EBITDA als negativ. Aufgrund eines nicht näher quantifizierten Bereichsverkaufs sei das Ergebnis auf den Stufen EBIT und Reingewinn zumindest im Rahmen der bankeigenen Schätzungen ausgefallen.

Wie erwartet sei das vorliegende Resultat gemischt und von einer wenig überzeugenden operativen Entwicklung geprägt. Langsam scheine sich der tiefere Auftragsbestand auf die Umsatzdynamik auszuwirken. Bei den Grossaufträgen werde die Lage in der ersten Jahreshälfte weiterhin angespannt bleiben. Dazu komme der stärkere Dollar, welcher negative Währungseffekte hervorrufe. Der Analyst stuft die Aktie deshalb weiterhin nur mit "Marktgewichten" ein.

Auch sein Berufskollege von Baader Helvea zeigt sich nicht sonderlich überrascht, was den schwachen Zahlenkranz anbetrifft. Um Sonderfaktoren bereinigt sei der operative Gewinn einmal mehr eher schwächlich ausgefallen. In Erwartung negativer Wechselkursverschiebungen und einer geringeren Investitionsbereitschaft in der Öl- und Gasindustrie werde der Schmerz für ABB vermutlich weiter zunehmen. Bei Baader Helvea wird die Aktie vorerst mit "Hold" und einem Kursziel von 19 Franken eingestuft.

Folgen des Ölpreiszerfalls zu befürchten

Einem Kommentar der UBS Investmentbank ist zu entnehmen, dass der operative EBITDA im vierten Quartal 6 Prozent unter den Konsensschätzungen und immerhin 4 Prozent unter den konservativeren bankeigenen Schätzungen ausgefallen sei. Der Verfasser des Kommentars erklärt sich die Differenz mit einer negativer als gedachten Entwicklung in den Bereichen Power Products, Discrete Automation sowie Low Voltage.

Aufgrund ausbleibender Grossaufträge habe auch der Auftragseingang die Markterwartungen verfehlt. Immerhin seien die bankeigenen diesbezüglichen Schätzungen erfüllt worden. Die Aussagen von ABB würden allerdings vermuten lassen, dass die Folgen des schwachen Ölpreises auf die Nachfrage aus der Öl- und Gasindustrie erst noch einsetzen werden, so der Analyst weiter. Sein Anlageurteil für die Aktie lautet "Neutral" mit einem 12-Monats-Kursziel von 17 Franken.

Ein Analyst gegen alle anderen

Bei J. Safra Sarasin stösst man sich hingegen an den fehlenden Aussagen für das laufende Jahr. Doch auch rückblickend sei das Ergebnis im Schlussquartal unter den Erwartungen ausgefallen. Die Auftragslage in den Schlüsselmärkten Europa und Nord- genauso wie Südamerika habe sich verschlechtert. Als Lichtblick wird das auf Stufe EBIT leicht positive Ergebnis im Bereich Power Systems bezeichnet. Der verantwortliche Analyst stuft die Aktie unverändert nur mit "Neutral" ein.

Einzig sein Berufskollege von der Bank Vontobel bleibt zuversichtlich für ABB. Auch er bezeichnet das vorliegende Ergebnis zwar als durchzogen, findet aber dennoch Gefallen an der positiven Entwicklung der Basisaufträge und an der starken Rentabilität. Der starke Dollar habe Spuren hinterlassen, der Ölpreiszerfall bislang nicht. Der Analyst hält die Investmentthese für intakt und bestätigt sowohl seine Kaufempfehlung als auch das 21,50 Franken lautende Kursziel.