ABB-Aktie im Gefühlschaos

Der Zahlenkranz von ABB ist von Licht und Schatten geprägt. Die grosse Enttäuschung bleibt jedoch aus. Händler berichten von einem erbitterten Schlagabtausch zwischen Haussiers und Baissiers.
29.04.2015 11:40
Von Lorenz Burkhalter
Der starke Dollar und der tiefe Ölpreis machen ABB-CEO Ulrich Spiesshofer das Leben schwer.

(Ergänzt um Berichte aus dem Handel und den aktuellen Kurs)

Die Baissiers hatten sich im Vorfeld der Quartalsergebnispräsentation so richtig auf die Aktie von ABB eingeschossen. Der Zahlenkranz für die ersten drei Monate des Geschäftsjahres 2015 ist denn auch nicht nur von Licht, sondern auch von Schatten geprägt. Doch die von vielen erwartete Ergebnisenttäuschung bleibt aus.

Allerdings werden die erst im letzten Jahr kommunizierten und inzwischen als ambitiös geltenden Mittelfristzielen in keinster Weise erwähnt.

An der Schweizer Börse SIX gibt die ABB-Aktie anfängliche Kursgewinne wieder preis. Aktuell verliert sie sogar 0,1 Prozent auf 21,05 Franken. Händler berichten von einem erbitterten Schlagabtausch zwischen Haussiers und Baissiers.

Die Reaktionen aus der Analystengemeinde fallen unterschiedlich aus. Eher skeptisch gibt man sich bei der Zürcher Kantonalbank. Einem Kommentar ist zu entnehmen, dass der starke Dollar und der tiefe Ölpreis das Quartalsergebnis deutlich negativ beeinflusst habe. Insgesamt habe sich dieses aber im Rahmen der Erwartungen bewegt. Dank Grossaufträgen habe der Auftragseingang überzeugen und der Umsatz die Erwartungen zumindest erfüllen können.

Zu hohe Erwartungen an die Gewinnentwicklung

Der starke Dollar und der tiefe Ölpreis werden in den kommenden Quartalen weiter belasten, so schreibt der Verfasser. Er rechnet bei der mit "Marktgewichten" eingestuften Aktie deshalb eher mit einer neutralen Kursreaktion.

Deutlich optimistischer gibt sich der für Vontobel tätige Berufskollege. Er berichtet von einem kräftigen Auftragswachstum dank grosser Aufträge, räumt allerdings ein, dass der operative Gewinn unter den Erwartungen liegt. Neben einer Verschlechterung bei der Umsatzzusammensetzung hätten auch Anlaufkosten auf die Rentabilität gedrückt. Der Analyst macht aber vor allem zu ehrgeizige Konsensschätzungen für die Differenz zu den effektiven Zahlen verantwortlich. Die Aktie wird bei Vontobel weiterhin mit einem Kursziel von 24 Franken zum Kauf empfohlen.

Basisaufträge verlieren an Dampf

Für den Analyst von Baader Helvea geht das Ergebnis bestenfalls "in Ordnung". Nach fünf Quartalen mit einem negativen Beitrag zum operativen Gewinn habe der Bereich Power Products endlich den operativen Breakeven erreicht. Grundsätzlich sei die Geschäftsentwicklung auf Stufe der einzelnen Sparten jedoch sehr durchzogen.

Etwas enttäuscht zeigt sich der Analyst von der Entwicklung bei den für ABB wichtigen Basisaufträgen. Diese hätten weiter an Kraft eingebüsst, so schreibt er. Der Experte stuft die Aktie bis auf weiteres nur mit "Hold" und einem Kursziel von 19 Franken ein.

In dieselbe Kerbe schlägt der Analyst von Liberum. Er rechnet sogar mit einer weiteren Abschwächung der Basisaufträge. Im laufenden Jahr sei auf diesem Gebiet mit einem zweistelligen Auftragsrückgang zu rechnen. Die Aktie empfiehlt er unverändert mit einem Kursziel von 16,50 Franken zum Verkauf.

Deutlich optimistischer äussert sich der Berufskollege von J. Safra Sarasin. Dieser bezeichnet das Quartalsergebnis als solide. Sowohl der Auftragseingang als auch der Umsatz seien besser als erwartet ausgefallen. Die Verbesserung der operativen Marge schreite hingegen eher langsam voran. Aufgrund der schwierigen Marktbedingungen sei nicht mit einer überdurchschnittlichen Kursentwicklung der mit "Neutral" eingestuften Aktie zu rechnen.