ABB-Aktien nach enttäuschendem Bestellungseingang unter Druck

Die Aktien von ABB fallen am Donnerstag im frühen Geschäft in einem schwachen Gesamtmarkt überdurchschnittlich zurück.
25.10.2018 10:20
Die Investoren sind mit den von ABB vorgelegten Quartalszahlen nicht zufrieden.
Die Investoren sind mit den von ABB vorgelegten Quartalszahlen nicht zufrieden.
Bild: Bloomberg

Die am Morgen vorgelegten Zahlen zum dritten Quartal enttäuschten insbesondere auf den Ebenen Auftragseingang und operativer Gewinn, wobei die Spannweite der Schätzungen insbesondere beim Bestellungseingang auffallend hoch war. Teilweise kritisiert wurde auch der etwas defensiver scheinende Ausblick.

Bis um 10.15 Uhr fallen ABB um 3,7 Prozent auf 19,52 Franken zurück und knüpfen damit an den nun schon seit vier Wochen dauernden Abwärtstrend an. Erstmals seit Ende 2016 notieren die Titel damit wieder unter 20 Franken. ABB gehören mittlerweile auch nicht mehr zu den fünf am stärksten gewichteten Aktien im SMI, was in den vergangenen Jahren meist der Fall war.

In der Zwischenzeit haben sich auch Swatch und Zurich an ABB vorbeigeschoben, so dass hinter den "grossen 3" und UBS nur noch der siebte Platz in der Börsengewichtung resultiert. Der Gesamtmarkt (SMI) gibt in der gleichen Zeit 0,6 Prozent nach.

Schwäche beim Bestellungseingang

In Marktkreisen wird von einer Schwäche im Bestellungseingang gesprochen und davon, dass dieser die Erwartungen leicht verfehlt hat. In dieser Richtung äussern sich etwa die UBS oder Baader Helvea. Nicht ganz den Vorstellungen der Analysten hat auch der Umsatzzuwachs durch die Eingliederung der Industriesparte von General Electric entsprochen. Allerdings haben die Verkäufe insgesamt den Durchschnitt der ebenfalls recht breit gestreuten Schätzungen knapp erreicht.

Verfehlt hat ABB die Prognosen auch mit dem operativen Gewinn. Wie bereits vorangekündigt führte die Verwässerung durch die Eingliederung der Industriesparte von General Electric zu einer Belastung für die Marge. Dies wurde in Marktkreisen auch so antizipiert. Was zumindest teilweise nicht antizipiert wurde, war eine Belastung im Zusammenhang mit dem nicht zum Kernbereich gehörenden Altgeschäft des Retrofitservice für Züge.

Goldman Sachs bezeichnete von den Divisionen die Entwicklung der Division Industrial Automation als Enttäuschung, dies angesichts des verbesserten Umfelds im Geschäft mit der Ressourcenbeschaffung, also im Berg- und Minenbau. An anderer Stelle wurde der Ausblick von ABB mit Blick auf Europa moniert. Dazu hiess es in der heutigen Mitteilung, dass für Europa ein robuster Trend erwarte werde. Im zweiten Quartal ging ABB noch von einer "positiven Tendenz" aus.

Abspaltung der Stromnetz-Sparte kein Thema

Goldman Sachs spricht im Kommentar zu ABB ein weiteres Thema an, nämlich die Pläne von ABB für die Sparte Stromnetze. Angaben dazu wären laut dem amerikanischen Institut hilfreich. Immer wieder wird in Medienkreisen über eine bevorstehende Abspaltung spekuliert. CEO Ulrich Spiesshofer wollte sich an einer Telefonkonferenz allerdings dazu nicht näher äussern.

Es gibt aber auch positivere Stimmen. Der Bestellungseingang habe die Erwartungen lediglich knapp verpasst, so die Bank Vontobel in einer Einschätzung. Sie bezeichnet das organische Wachstum des Eingangs an Basis-Bestellungen als solid und die operative Performance der einzelnen Divisionen als "sehr gut". Mit Blick auf die globale Konjunktur macht sich Vontobel allerdings Sorgen um den Geschäftsgang in den kommenden Jahren 2019 und 2020.

(AWP)