ABB brechen die Aufträge weg - die Aktie taucht

ABB erleidet überraschend einen Auftragseinbruch. Das hat Folgen für die zukünftige Umsatzentwicklung. Analysten sind alarmiert, was die Aktie einbrechen lässt.
27.10.2016 13:07
Von Lorenz Burkhalter
ABB kann nach dem soliden zweiten Quartal nicht mit guten Neuigkeiten nachlegen.
ABB kann nach dem soliden zweiten Quartal nicht mit guten Neuigkeiten nachlegen.
Bild: Bloomberg

Das hatte man sich in Expertenkreisen ganz anders vorgestellt: Anstatt einem leichten Rückgang des Auftragseingangs auf 8,36 Milliarden Dollar meldet ABB für das zurückliegende dritte Quartal gerademal einen Auftragseingang von 7,53 Milliarden Dollar. Organisch betrachtet entspricht das einem satten Minus von 13 Prozent.

Doch auch beim Umsatz und beim operativen Gewinn (EBITA) kann der Zahlenkranz nicht mit den Analystenerwartungen Schritt halten. Beim Reingewinn werden letztere hingegen nur aufgrund einmaliger Faktoren übertroffen.

Zudem wird der gerade in angelsächsischen Kreisen sehr geschätzte Finanzchef Eric Elzvik das Unternehmen verlassen. Auch diese Neuigkeit kommt bei den Anlegern nicht gut an.

Folglich kennen diese keine Gnade und schicken die ABB-Aktie an der Schweizer Börse SIX auf Tauchfahrt. Zur Stunde verliert sie 6,8 Prozent auf 20,49 Franken. Im frühen Handel wurden zeitweise sogar Kurse um 20,36 Franken bezahlt.

Grossprojekte verzögern sich

Der für die Deutsche Bank tätige Analyst bezeichnet das vorliegende Quartalsergebnis als durchwachsen. Er zeigt sich nicht nur vom Auftragseingang, sondern auch von der Margenentwicklung enttäuscht. Gleichzeitig bedauert er den Rücktritt von Finanzchef Eric Elzvik, welchen er für einen  Verlust für das Unternehmen hält. Der Experte stuft die Aktie weiterhin mit "Hold" und einem Kursziel von 21 Franken ein.

Kursentwicklung der ABB-Aktie im bisherigen Tagesverlauf, Quelle: www.cash.ch

Sein Berufskollege von der UBS Investmentbank macht Verzögerungen bei den Grossprojekten für den schwachen Auftragseingang verantwortlich. Das sei im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen gerade im amerikanischen Stromübertragungsgeschäft der Fall gewesen, so ergänzt er. In Europa macht er hingegen Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem EU-Referendum Grossbritanniens für die Auftragsflaute verantwortlich.

Erster Analyst zieht die Reissleine

Auf Basis des Zahlenkranzes erwartet der Experte einen Rückgang der Konsensschätzungen im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das Anlageurteil für die Aktie lautet weiterhin "Neutral" und das 12-Monats-Kursziel liegt bei 21,50 Franken.

Bei Goldman Sachs stösst man sich nicht nur an der schwachen Auftragslage, sondern auch an den höher als erwarteten Kosten im Corporate Center. Dem hält man bei der UBS Investmentbank entgegen, dass die einmaligen Kosten, unter anderem im Zusammenhang mit der fortlaufenden Restrukturierung, mit 117 Millionen Dollar höher als befürchtet ausgefallen sind. Die Grossbank selber ging von 94 Millionen Dollar aus.

In einem Kommentar der Bank Vontobel räumt der Verfasser zwar ein, dass ABB bei der Geschäftsumsetzung einmal mehr überzeugen konnte. Allerdings sei das Unternehmen gleich an mehreren Fronten gefordert. Wie der Rückgang beim Auftragseingang zeige, sei der Gegenwind sogar noch stärker geworden, so schreibt er weiter. Der Experte befürchtet, dass die Talsohle noch nicht erreicht wurde und stuft die Aktie deshalb von "Buy" auf "Hold" herunter. Gleichzeitig setzt er das Kursziel von 23 Franken in negative Überprüfung.

Ganz anders tönt es bei der britischen Liberum. Diese bekräftigt die Kaufempfehlung sowie das Kursziel von 24 Franken und sieht im heutigen Rücksetzer eine günstige Einstiegsgelegenheit.