ABB-CEO Spiesshofer«Mit dem Ergebnis sind wir nicht zufrieden»

ABB hat ein Quartal mit wenig Dynamik hinter sich und damit die Markterwartungen verpasst. Was der CEO Ulrich Spiesshofer und die Analysten dazu sagen.
20.07.2017 11:29
Von Ivo Ruch
Ulrich Spiesshofer ist seit 2005 für ABB tätig, seit 2013 als CEO.
Bild: cash

Das Verdikt der Aktionäre ist klar: ABB hat im zweiten Quartal enttäuscht. Sie schicken den Titel am Donnerstagmorgen mit fast 3 Prozent ins Minus, während der Gesamtmarkt positiv tendiert. Mit 23,20 Franken kostet die ABB-Aktie so wenig wie seit drei Monaten nicht mehr, wie der folgende Chart zeigt:

Deutliche Korrektur: Die ABB-Aktie in den letzten zwölf Monaten (Quelle: cash.ch)

Auch die Erwartungen von ABB-Chef Ulrich Spiesshofer wurden nicht erfüllt. "Auf der Ergebnisseite sind wir nicht zufrieden. Wir müssen unsere Hausaufgaben auf der Kosten- und der Auslastungsseite machen, damit der Rest des Jahres unsere Erwartungen trifft" sagt er im Video-Interview.

Nicht nur der Umsatz lag unter den Erwartungen. Auch der EBITA und der Reingewinn waren tiefer als es der Markt prognostiziert hatte. Einzig der Auftragseingang konnte positiv überraschen. Dazu passt auch die Aussage des ABB-Managements, 2017 werde für den Konzern ein Übergangsjahr.

Margenentwicklung im Fokus

Besonders enttäuscht zeigen sich grosse Investoren von der Margenentwicklung. Die konzernweite operative EBITA-Marge sank um 50 Basispunkte auf 12,4 Prozent. "Eine weitere Margenenttäuschung hätte es nicht gebraucht", schreibt Morgan Stanley in einem Kommentar. Die US-Grossbank behält zwar ihr Aktienrating bei "Overweight", gibt aber zu bedenken, dass die Entwicklung der Margen auf Investoren allmählich "frustrierend" wirken könnte.

Der Margenrückgang wurde durch gestiegene Rohstoffpreise und Überkapazitäten beeinflusst. Der schwankende Ölpreis und auch die Effekte aus der Währungsumrechnung werden das Ergebnis auch im weiteren Jahresverlauf tangieren, wie ABB in einer Mitteilung schreibt.

Beim restlichen Ausblick bleibt der Industriekonzern wie gewohnt vage. Makroökonomische und geopolitische Entwicklungen würden ein durchwachsenes Szenario mit anhaltenden Unsicherheiten signalisieren. Für das Geschäft in den USA ist ABB verhalten optimistisch. Auch für China wird Wachstum erwartet.

ABB muss liefern

Als positiv wird vielerorts der Auftragseingang beurteilt. Das Wachstum von 3 Prozent bei den Basisbestellungen könnte einen Wendepunkt darstellen, so die Ansicht der Privatbank Vontobel. Die Wahrscheinlichkeit für konjunkturellen Rückenwind sei zudem gestiegen, was das Momentum beim Bestellungseingang und beim Umsatz noch verstärken könnte. Für diesen Fall prognostiziert Vontobel wegen der geringeren Kostenbasis auch eine klare Verbesserung der Profitabilität.

Klar ist: Um das Vertrauen der Investoren nicht allmählich aufs Spiel zu setzen, muss der Transformationsprozess, in dem sich ABB laut eigenen Angaben befindet, Resultate abwerfen. "Im kommenden Jahr sollte dann auf Ebene der Profitabilität und der Gewinne schon ein klar positiver Schub erkennbar werden, wenn man glaubwürdig bleiben will", schreibt die Neue Helvetische Bank in einem Kommentar. Die Bank überprüft in den nächsten Tagen ihr ABB-Engagement.

Im Video-Interview spricht ABB-CEO Ulrich Spiesshofer auch über die zukunftsträchtige Digitalplattform ABB Ability.