kommentar

ABB: Ein Abgang mit offenen Fragen

Bei ABB kommt es erneut zu einem überraschenden Abgang des CEO. Dabei befindet sich der Konzern in einer wichtigen Phase.
10.05.2013 10:24
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

Wieder kommt es bei ABB zu einem überraschenden Abgang des Konzernchefs. War es vor fünf Jahren der bei Investoren beliebte Fred Kindle, der das Unternehmen Knall auf Fall verliess, ist es nun sein Nachfolger Joe Hogan, der unerwartet seinen Abgang ankündigt.

Bei Kindle war der Fall klar: Der Liechtensteiner verliess das Unternehmen wegen Differenzen mit seinem neuen Vorgesetzten Hubertus von Grünberg. Der zackige Deutsche, der in der Boulevardpresse schon mal mit der Pickelhaube abgebildet wurde, übernahm 2007 den Vorsitz des Verwaltungsrates von ABB.

Damit nun nicht wieder üble Trennungsspekulationen aufkommen, betont von Grünberg am Freitag auffallend deutlich die guten Leistungen von Hogan als "grossartigen Konzernchef". Der Verwaltungsrat bedauere den Rücktritt "aufrichtig".

Es mag sein, dass für Hogans Abgang nicht ein unmittelbarer heftiger Streit die Ursache ist. Sonst würde der Amerikaner nicht auf seinem Posten bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Aber immer dann, wenn unspezifische private Gründe für einen Abgang bei Spitzenpositionen geltend gemacht und alle anderen Möglichkeiten von Unternehmensseite kategorisch ausgeschlossen werden, kommen unweigerlich Spekulationen auf. Das ist bei ABB nach der Trennungsstory Kindle/von Grünberg umso mehr der Fall.

Umso wichtiger ist es, dass sehr schnell ein Nachfolger für Hogan gefunden wird. Ein CEO, dessen Tage öffentlich gezählt sind und noch im Amt verbleibt, dient niemandem. Wichtiger noch: ABB befindet sich in einer kritischen Phase. Unter Hogan wurden 20 Milliarden Dollar für die Expansion ausgegeben, viele aufgekaufte Unternehmen müssen integriert werden. An solchen Aufgaben sind schon einige Grossunternehmen gescheitert.

Dass unter von Grünberg zwei Konzernleiter überraschend abtraten, wird die CEO-Suche nicht vereinfachen.