ABB steigert Wachstum - Aktie haussiert

Der Industriekonzern ABB hat im dritten Quartal gut gewirtschaftet. Die Erwartungen der Analysten sind bei Gewinn und Umsatz deutlich übertroffen worden. Das beflügelt die Aktie.
24.10.2013 14:31
ABB präsentierte am Donnerstag erfreuliche Zahlen.

Der eiserne Sparkurs des Elektrokonzerns ABB zahlt sich aus. Trotz schwieriger Konjunkturlage und scharfen Wettbewerbs steigerte der Rivale von Siemens und General Electric (GE) seinen Gewinn im dritten Quartal überraschend stark um zehn Prozent auf 835 Millionen Dollar. "Kosteneinsparungen und Produktivitätssteigerungen haben den Preisdruck mehr als ausgeglichen", erklärte das Schweizer Unternehmen am Donnerstag. Der neue Konzernchef Ulrich Spiesshofer will ABB nun noch stärker auf Effizienz trimmen und die Industriekunden besser bedienen. "Wir können eindeutig mehr tun, um unsere Kunden wettbewerbsfähiger zu machen, unsere eigene Produktivität zu steigern und das profitable Wachstum des Unternehmens zu beschleunigen", sagte Spiesshofer.

Denn wie bei Siemens und dem französischen Konkurrenten Schneider Electric hält sich die Industrie angesichts unsicherer Wirtschaftsaussichten mit Großaufträgen zurück. Zwar konnte ABB im abgelaufenen Quartal dank rascher Abarbeitung bestehender Aufträge seinen Umsatz noch stärker als erwartet steigern. Doch der Nachschub kommt spärlicher als bisher, weil sich Kunden aus den Branchen Bergbau, Öl, Gas und Energietechnik mit Großaufträgen zurückhalten. In dieser Woche klagten auch die Schwermaschinenbauer Caterpillar in den USA und Wärtsilä in Finnland über mangelnde Nachfrage.

Aufträge für 9 Milliarden Dollar

ABB sammelte im abgelaufenen Quartal insgesamt Aufträge für 9,1 Milliarden Dollar ein, zwei Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bereits im ersten Halbjahr hatte sich die Auftragslage verdüstert. Rege Nachfrage verzeichneten die Schweizer von Kunden aus Industrie und Versorgungsunternehmen, die in höhere Produktivität und Zuverlässigkeit bestehender Anlagen investieren. Gebremst wurde der Rückgang auch durch starkes Wachstum in den prosperierenden Kernmärkten China und Deutschland.

Um den bestehenden Kunden Maschinen und Anlagen schmackhafter zu machen und zusätzliche Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen, forderte Spiesshofer die Sparten zu besserer Zusammenarbeit auf. "Dadurch werden wir einen größeren Mehrwert für unsere Kunden erzielen, indem wir ein gebündeltes Automations- und Energietechnikportfolio bereitstellen", sagte der Konzernchef, "Dazu müssen wir Angebote geschäftsübergreifend effektiver bündeln und sowohl die Kundennähe als auch den Service kontinuierlich verbessern." ABB werde seine Umsatzkosten auch künftig in jedem Jahr um drei bis fünf Prozent senken, erklärte der frühere Automatisierungs-Vorstand, der im September an die Firmenspitze befördert wurde. Sein Vorgänger Joe Hogan hatte sich aus privaten Gründen verabschiedet.

Zudem richtet Spiesshofer ein stärkeres Augenmerk auf die Integration der in den vergangenen Jahren hinzugekauften Unternehmensteile. Die Eingliederung hatte er jüngst zur Vorstandssache gemacht und damit Konzernleitungsmitglied Greg Scheu betraut. "Außerdem werden wir weiter in attraktive Märkte expandieren und zu diesem Zweck sowohl das organische Wachstum fördern als auch strategische Akquisitionen tätigen, um Lücken im Portfolio zu schließen", kündigte Spiesshofer an.

An der Börse steckte der neue Konzernchef Anleger mit seiner Zuversicht an. Die Aktien stiegen in Zürich um 4,1 Prozent auf 22,87 Franken und damit stärker als der Branchenindex. Die Siemens-Titel legten im Frankfurter Xetra-Handel knapp ein Prozent zu.

Bei Siemens war Bilanz des vergangenen Quartals durchwachsen ausgefallen. Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft schrumpfte binnen Jahresfrist um 13 Prozent auf eine Milliarde Euro. Besonders die Kosten für die Stellenstreichungen und den Konzernumbau belasteten das Ergebnis. Wegen verpasster Renditeziele hatte Siemens im Juli seinen Vorstandschef ausgewechselt. General Electric hingegen konnte im vergangenen Vierteljahr den Gewinn in sechs seiner sieben Industriesparten steigern. Außerdem verfügt der US-Konzern nun über den größten Auftragsbestand seiner Geschichte. Der französische Konkurrent Alstom legt seine Quartalszahlenzahlen am 6. November vor, Siemens folgt am 7. November mit den Zahlen seines Geschäftsjahrs 2012/13.

(Reuters)