ABB zeigt durchzogene Zahlen

ABB hat im dritten Quartal 2014 den Auftragseingang deutlich gesteigert, während der Umsatz und der Reingewinn zurückgehen. Der Ausblick bleibt vorsichtig.
22.10.2014 08:27
Ulrich Spiesshofer ist seit September 2013 CEO von ABB.

ABB hat im dritten Quartal 2014 den Auftragseingang um 24 Prozent auf 11,23 Mrd USD gesteigert, entsprechend einem Plus in Lokalwährungen (LW) von 25 Prozent und einem solchen von 28 Prozent auf vergleichbarer Basis (organisch). Der Umsatz ging dagegen um 7 Prozent auf 9,82 Mrd USD (LW -6 Prozent, org. -4 Prozent) zurück.

Die Nachfrage nach Stromverteilungssystemen durch Versorgungskunden sei im dritten Quartal stabil geblieben, während im Stromübertragungssektor weiterhin selektiv investiert worden sei, teilt das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Industrienachfrage sei je nach Region und Absatzmarkt unterschiedlich ausgefallen. Einen positiven Trend hätten Sektoren wie die Öl- und Gasindustrie sowie die allgemeine Industrie aufgewiesen, wogegen die Nachfrage im Bergbaugeschäft auf tiefem Niveau stabil geblieben sei.

Wachstum nimmt ab

Somit hat das Wachstumstempo im Vergleich zum zweiten Quartal mit Blick auf den Umsatz (organisch -1 Prozent) wieder etwas abgenommen, wogegen die Dynamik im Auftragseingang (org. +13 Prozent) stärker ausgefallen ist.

Der Grossteil des Anstiegs der Bestellungen resultierte aus verbesserten Grossaufträgen. Diese machten im Berichtsquartal 25 Prozent des gesamten Auftragseingangs aus, verglichen mit 9 Prozent im Vorjahr. Die Basisaufträge verbesserten sich um 3 Prozent (+5 Prozent auf Vergleichsbasis). Gründe hierfür waren laut Mitteilung die lebhaftere Nachfrage in einigen frühzyklischen Produktgeschäften wie Kabelzubehör und Niederspannungsmotoren sowie die Wachstumsinitiativen in zahlreichen Geschäftsfeldern, Produktgruppen und Regionen.

Der operative EBITDA verringerte sich um 13 Prozent auf 1,42 Mrd und die entsprechende Marge auf 14,3 Prozent von 15,7 Prozent im Vorjahresquartal. Beim EBIT ergab sich ein Minus von 8 Prozent auf 1,22 Mrd USD (Marge 12,4 Prozent nach 12,6 Prozent). Grund für den Margenrückgang waren den Angaben zufolge die geringeren Umsätze sowie das Ergebnis der Division Energietechniksysteme, welche im abgelaufenen Quartal ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht habe. Der Reingewinn schliesslich sank um 12 Prozent auf 734 Mio USD und der Cashflow aus Geschäftstätigkeit um 6 Prozent auf 1,17 Mrd.

Prognosen teilweise verfehlt

Damit hat ABB die Erwartungen der Analysten beim Umsatz verfehlt, bei den Aufträgen übertroffen und bei den Gewinnziffern in etwa erreicht. Der AWP-Konsens für den Umsatz lag bei 10,31 Mrd, für den Auftragseingang bei 10,23 Mrd, für den EBITDA bei 1,46 Mrd, für den EBIT bei 1,09 Mrd und für den Reingewinn bei 713 Mio USD.

Über neun Monate gesehen verzeichnete ABB ein Plus beim Auftragseingang von 11 Prozent auf 32,15 Mrd USD (org. 13 Prozent). Der Auftragsbestand lag per Ende September mit 27,01 Mrd USD knapp unter dem Stand von Ende Juni. Der Umsatz blieb mit 29,48 Mrd organisch um 2 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Vager Ausblick

Im Ausblick auf die nähere Zukunft zeigt sich ABB gewohnt vage. Kurzfristig betrachtet würden makroökonomische und geopolitische Entwicklungen auf ein uneinheitliches Szenario mit zunehmenden Unsicherheiten hinweisen, so die Einschätzung des Unternehmens. In den USA seien einige frühzyklische makroökonomische Signale weiter positiv und in China dürfte das Wachstum anhalten. Gleichzeitig würden die Märkte belastet durch das langsame Wachstum in Europa, die politischen Spannungen in verschiedenen Teilen der Welt und die Gesundheitssituation in Afrika. Der langfristige Ausblick für die Nachfrage nach ABB-Produkten bleibe jedoch eindeutig positiv.

Vor einigen Wochen erst hat ABB neue Mittelfristziele für die Periode 2015 bis 2020 formuliert. Demnach soll der Umsatz auf vergleichbarer Basis durchschnittlich um 4 bis 7 Prozent pro Jahr wachsen und damit das vorhergesagte BIP- und Marktwachstum übertreffen. Dabei soll eine durchschnittliche Free Cashflow Conversion von über 90 Prozent erreicht werden. Neu setzte sich ABB einen Zielkorridor von bis 11 bis 16 Prozent für die EBITA-Marge. Jährlich wird zudem eine Steigerungsrate des operativen Gewinns pro Aktie (EPS) um 10 bis 15 Prozent angestrebt sowie eine Cashflow-Rendite auf das investierte Kapital (CROI) im mittleren Zehnerprozentbereich.

Während die Wachstumsaussichten langfristig intakt seien, macht sich ABB-Chef Ulrich Spiesshofer für die nächste Zeit Sorgen. "Kurzfristig betrachtet, weisen makroökonomische und geopolitische Entwicklungen auf ein uneinheitliches Szenario mit zunehmenden Unsicherheiten hin", teilte der Siemens -Rivale mit. Hinzu kämen die politischen Spannungen und die Ebola-Seuche in Afrika.

(cash/AWP/Reuters)