Abgasskandal beschäftigt am Genfer Autosalon

Die Auswirkungen des VW-Abgasskandals und strengere Auflagen für Dieselmotoren beschäftigen die Autobauer auf dem Genfer Autosalon.
01.03.2016 16:02
VW-Logos: Der Konzern hat an den Folgen des Abgas-Skandals zu beissen.
VW-Logos: Der Konzern hat an den Folgen des Abgas-Skandals zu beissen.
Bild: Bloomberg

"Da reden wir über viel Geld", sagte BMW-Chef Harald Krüger am Dienstag im Vorfeld des Genfer Autosalons (3. bis 13. März) mit Blick auf die Folgen verschärfter Abgasvorschriften für Dieselmotoren. In der EU waren jüngst Rahmenbedingungen für realistischere Abgastests für Dieselfahrzeuge ab 2017 abgesteckt worden. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann sagte, alle Autohersteller investierten Hunderte Millionen Euro, um die schärferen gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. "Die Kosten für den Diesel werden steigen", prognostizierte Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne.

Dabei sehen die Prognosen für die Autobauer eigentlich nicht schlecht aus. In Europa erwartet der Branchenverband Acea im laufenden Jahr einen Absatzzuwachs bei den Verkäufen von etwa zwei Prozent auf 14 Millionen Fahrzeuge - nach einem Plus von neun Prozent im vergangenen Jahr. Der deutsche Branchenverband VDA rechnet auch weltweit mit einem ähnlichen Zuwachs. Der VDA hatte kurz vor der Automesse in Genf seine Prognose für China angehoben. "Das wirkt sich auch positiv auf den Pkw-Weltmarkt aus, der 2016 um 2 Prozent zulegen und damit erstmals die 80-Millionen-Marke erreichen wird", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Kein Einbruch bei Dieselmotoren

Von einem Einbruch der Nachfrage nach Dieselmotoren in Europa sei bislang nichts zu spüren, betonen die Hersteller fast unisono. In den USA, wo der Diesel-Marktanteil traditionell sehr gering ist, war der Absatz deutlich zurückgegangen. Doch die Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen von Volkswagen bringt nicht die Diskussion nur strengere Vorgaben mit sich. "Der Ruf der Branche habe kollektiv gelitten", sagte Fiat-Chrysler-Chef Marchionne.

Ein Abgasaktivist stürmte am Dienstag die Bühne in einem schwarzen Overall und versuchte symbolisch eine "Cheat Box" an dem Kleinwagens up!. Umweltschützer bemängeln die Abgasmessungen inzwischen bei allen Herstellern. Die Deutsche Umwelthilfe prangerte neben Opel und Daimler auch Fiat wegen angeblich zu hoher Abgaswerte an. Die US-Umweltbehörde EPA hat von Daimler erneut Testergebnisse angefordert, nachdem in den USA Mitte Februar eine Zivilklage gegen Daimler angestrengt wurde. Der Stuttgarter Konzern betont allerdings seit Monaten, nicht wie Volkswagen manipuliert zu haben. "Wir halten die Vorwürfe für haltlos", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche in Genf.

VW-Offizielle treffen sich am Donnerstag erneut mit US-Behördenvertretern. Der VW-Konzern verhandelt mit US-Umweltbehörden über eine Lösung für die rund 580 000 Dieselautos in den USA, die mit einer verbotenen Software ausgestattet sind, um Abgaswerte auf dem Prüfstand herunter zu regeln.

Dabei rückt die Autoindustrie nicht vom Diesel ab. Im Gegenteil: Daimler steckt aktuell 2,6 Milliarden Euro in Entwicklung und Produktionsumstellung eines neuen Dieselmotors, der zunächst in der neuen E-Klasse angeboten wird und deutlich weniger CO2 und Abgase ausstossen soll als seine Vorgänger. "Macht die Technologie nicht überflüssig, sie ist nicht überflüssig", sagte Fiat-Chef Marchionne. Die europäischen Autohersteller brauchen die im Vergleich zu Benzinern verbrauchsärmeren Dieselmotore, um die CO2-Vorgaben der EU zu erfüllen. Im Jahr 2020 werde der Dieselmotor noch von "fundamentaler Bedeutung" sein, sagte BMW-Chef Krüger.

Neben dem Diesel bereitet den Herstellern auch ein möglicher Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union Sorgen. "Das ist in einer Vielzahl von Gesichtspunkten kritisch zu sehen", sagte Daimler-Chef Zetsche. Das gleiche gelte für die Diskussion über Grenzkontrollen in Europa. "Wenn Grenzen nicht passierbar sind, bringt das das Gesamtsystem in Gefahr", sagte Zetsche mit Blick auf die zeitlich fein abgestimmte Lieferung und Produktion in Europa.

Positiv könnte sich hingegen eine mögliche die Förderung von Elektroautos auswirken. Die Bundesregierung hatte am Montag zwar Spekulationen über eine bereits verabredete Kaufprämie für Elektroautos noch einmal ausdrücklich widersprochen. Krüger zeigt sich optimistisch, dass der Staat den Verkauf von Elektroautos bald subventioniert. Für April sei ein Termin mit der Bundeskanzlerin vereinbart. Es seien "finanzielle Anreize wichtig" - ein hoher Steuernachlass oder eine direkte Kaufprämie würden die Nachfrage erhöhen, sagte Krüger und fügte hinzu: "Wir sind in guten Gesprächen mit der Bundesregierung. Wir sind positiv gestimmt."

(AWP)