AbwanderungBanken verlieren Geduld mit britischer Regierung

Banken in Grossbritannien bemängeln fehlende Klarheit über die Rahmenbedingungen nach dem Brexit und verlagern Jobs in die verbleibenden 27 EU-Länder.
14.07.2017 19:25
Die britische Grossbank Barclays will im Hinblick auf den Brexit ihren Standort in Irland ausbauen.
Die britische Grossbank Barclays will im Hinblick auf den Brexit ihren Standort in Irland ausbauen.
Bild: cash

Top-Manager von fünf der grössten Banken in London sagen, der britischen Regierung laufe die Zeit davon. Nach dem geplanten EU-Austritt Grossbritanniens brauchen in London ansässige Finanzinstitute eine eigene Gesellschaft mit Banklizenz in einem Land der EU, um ihre Produkte und Dienstleistungen in den verbleibenden 27 Mitgliedstaaten vertreiben zu dürfen. Selbst wenn die Regierung jetzt eine Übergangslösung mit der EU vereinbare, sei es wohl zu spät, um einen Abzug von Jobs aus der City zu verhindern, sagen die Top-Manager.

"Es wurde viel geredet, aber nicht gehandelt", sagt James Bardrick, Grossbritannien-Chef der US-Grossbank Citigroup. "Jeden Tag kommen Leute in mein Büro und sagen, dass ich den Startknopf für den Brexit-Umzug drücken soll", sagt der Verwaltungsratspräsident einer der grössten britischen Banken. Zum Ende des Sommers müsse er wohl grünes Licht geben.

Bis 18 Monate für eine Lizenz

Die Banken befürchten, dass die EU und Grossbritannien sich allenfalls zum Ende der Brexit-Verhandlungen auf Übergangsregelungen für die Finanzindustrie einigen. Doch die Geldhäuser brauchen jetzt Klarheit, da es bis zu 18 Monate dauern kann, um die nötigen Banklizenzen zu erhalten, Büros anzumieten und Beschäftigte zu entsenden. Grossbritannien will Ende März 2019 aus der EU austreten.

Die Bank of England hatte den Banken eine Frist bis Freitag gesetzt, um ihre Brexit-Pläne mitzuteilen. Zahlreiche Institute haben in den vergangenen Wochen ihre Vorbereitungen bereits publik gemacht, weitere dürften folgen. Die britische Grossbank Barclays will ihren Standort in Dublin ausbauen. Sie spreche mit den Aufsichtsbehörden, um ihre Produkte auch künftig in den verbleibenden 27 EU-Länder anbieten zu können, wie sie am Freitag ankündigte. In der irischen Hauptstadt hat das Institut bereits eine Tochter mit Banklizenz, die bislang aber nur bestimmte Produkte anbieten darf. Die Barclays Bank Ireland zählt rund 100 Beschäftigte.

(Reuters)