«Abzocker-Initiative erschwert CEO-Suche nicht»

Reinhard Lange, Noch-CEO von Kühne + Nagel, sagt im cash-Video-Interview, wie sich die Abzocker-Initiative auf das Unternehmen auswirken wird. Zudem gibt er einen Ausblick auf 2013.
04.03.2013 15:15
Von Frédéric Papp
Reinhard Lange, CEO Kühne + Nagel, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Der Logistiker präsentierte am Montag nicht nur die Jahreszahlen 2012, sondern gab zudem einen Personalwechsel in der Top-Etage bekannt: Reinhard Lange, seit 2009 CEO bei Kühne + Nagel, tritt an der Generalversammlung im kommenden Mai aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die Suche nach einem Nachfolger sei bereits eingeleitet, teilt das Unternehmen mit.

Der Abgang von Lange kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt. Denn mit der deutlichen Annahme der Abzocker-Initiative kann dem künftigen CEO nicht mitgeteilt werden, wie viel er verdienen werde. Die Managervergütungen müssen – so fordert es die Initiative – von der Generalversammlung genehmigt werden.

Doch Reinhard Lange gibt sich diesbezüglich gelassen: "Die Abzocker-Initiative wird die CEO-Suche nicht erschweren", sagt er im cash-Video-Interview. Die Managervergütungen bei Kühne + Nagel hätten sich stets im moderaten Rahmen bewegt und dies werde auch in Zukunft so sein. Zudem sei Kühne + Nagel ein Employer of Excellence und somit sehr attraktiv für Topleute. Im 2011 hat Reinhard Lange eine Gesamtentschädigung von 3,26 Millionen Franken erhalten.

Per Ende Jahr ein neuer Konzernchef

Vereinfachend kommt im Falle von Kühne + Nagel hinzu, dass mit Klaus-Michael Kühne ein Mehrheitseigner im Boot sitzt, der das Gehalt des neuen CEO praktisch im Alleingang bestimmen kann. Kühne besitzt gut 53 Prozent der Aktien.

Mit der Suche nach einem neuen CEO lasse man sich aber Zeit, sagte Verwaltungsratspräsident Karl Gernandt an der Bilanzmedienkonferenz. "Wir wollen per Ende Jahr einen neuen Konzernchef an Bord haben." In der Zwischenzeit übernimmt Gernandt interimistisch das CEO-Amt.

Mit Reinhard Lange geht dem Unternehmen ein erfahrener Mann verloren. Vor 42 Jahren trat er dem Unternehmen bei und arbeitete sich sukzessive nach oben. 2009 wurde er zum Konzernchef ernannt. Der heute 64-Jährige wird dem Logistiker aber noch als Berater zur Verfügung stehen.

Grosse Erwartungen in neues IT-System

Das Zahlenset 2012 von Kühne + Nagel lag unter den Erwartungen und enttäuschte die Anleger. Am Montag sackte die Namenaktie zwischenzeitlich über 5,5 Prozent auf 100 Franken ab. Seit Jahresbeginn verlor der Titel fast 8 Prozent.

Doch Lange gibt sich bezüglich des Gesamtjahres zuversichtlich. "Wir sind weiterhin auf Wachstumskurs und sind dabei, unsere Kostenstruktur anzupassen. Ich bin zuversichtlich, dass Kühne + Nagel im 2013 ein verbessertes Ergebnis im Vergleich zum letzten Jahr präsentieren wird."

Grosse Erwartungen setzt Kühne + Nagel auch in die Einführung eines neuen IT-Systems. Laut Verwaltungsratspräsident Gernandt erhofft man sich einen hohen zweistelligen Sparbeitrag, der ab 2014 greifen werde. Insofern halte man am Ziel, 2014 eine Milliarde Franken zu verdienen, weiter fest, so Gernandt.

 

Im cash-Video-Interview sagt Lange, wie sich die Transportbranche seit seinem Eintritt bei Kühne + Nagel 1971 verändert hat.