Accu in provisorischer Nachlassstundung

Der Verwaltungsrat der Industriegruppe Accu Holding hat ein Gesuch um provisorische Nachlassstundung für einen Zeitraum von vier Monaten eingereicht.
19.10.2016 18:23
Der Handel der Accu-Aktien an der Schweizer Börse wurde Anfang Oktober wieder aufgenommen, nachdem er seit Anfang August eingestellt gewesen war.
Der Handel der Accu-Aktien an der Schweizer Börse wurde Anfang Oktober wieder aufgenommen, nachdem er seit Anfang August eingestellt gewesen war.
Bild: ZVG

Adressat des Gesuchs ist das Bezirksgericht Hochdorf, welches dieses bereits bewilligt hat, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilt. Die Verhaftung ihres ehemaligen Chefs sowie verschuldete Tochtergesellschaften haben die in Emmenbrücke ansässige Gruppe in finanzielle Schwierigkeiten gebracht.

Anlass für die Sanierungsbedürftigkeit der Accu Holding seien einerseits die nach der Verhaftung des einstigen Chefs und Verwaltungsratspräsidenten Marco Marchetti neuen, bis dato nicht bekannten Verbindlichkeiten sowie die hohe Fremdverschuldung der Tochtergesellschaften, die sich ebenfalls in Nachlassstundung, Restrukturierungsverfahren oder in Konkurs befänden, heisst es zur Begründung der Nachlassstundung.

Damit sei es auch nicht mehr möglich, den Finanzbedarf über die Tochtergesellschaften zu decken. Im Rahmen der Finanzschwierigkeiten der Accu Gruppe seien von Geschäftspartnern teilweise Forderungen gegenüber den Tochtergesellschaften wie auch gegen die Muttergesellschaft angemeldet worden. Der effektive Bestand der Verbindlichkeiten sei nun im Rahmen des Nachlassverfahrens zu ermitteln.

Zudem sei der Wert der nach dem Verkauf der Cieffe Gruppe noch verbleibenden wesentlichen Beteiligung, die Nexis Fibers in der Slowakei, nach Genehmigung des Nachlassverfahrens in der Slowakei ungewiss. Je nach Resultat des Nachlassverfahrens könne dieser Wert der Beteiligung wesentlich schwanken.

Strafanzeige gegen Marchetti

Die Staatsanwaltschaft hatte vor rund einem Jahr gegen den inzwischen zurückgetretenen Marchetti ein Untersuchungsverfahren wegen möglicher Finanzdelikte eröffnet. Auch Accu hat inzwischen eine Strafanzeige eingereicht wegen mehrfach qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung sowie Urkundenfälschung. Die bisherigen Untersuchungen hätten eine Vielzahl von Problemfeldern aufgedeckt, hiess es bei der Präsentation der Halbjahreszahlen Ende September.

Der Handel der Accu-Aktien wurde Anfang Oktober wieder aufgenommen, nachdem er seit Anfang August eingestellt gewesen war. Das Industrieunternehmen ist im ersten Halbjahr tief in die roten Zahlen gerutscht und musste einen Reinverlust von 21,1 Mio CHF ausweisen, wie Ende September bekannt wurde. Das Unternehmen kündigte damals weitere drastische Restrukturierungsmassnahmen an.

Accu ist in den Geschäftsfeldern Industrielle Garne und Oberflächentechnologie tätig und ist an verschiedenen Firmen beteiligt. Die industriellen Garne von Accu werden beispielsweise für Airbags, Transportbänder oder Reifen verwendet. Die Oberflächentechnologie umfasst Härtereien und High-Tech-Dünnschicht-Beschichtungszentren.

(AWP)