Acht Jahre nach Krise - Island hebt Kapitalverkehrskontrollen auf

Hohes Wachstum, tiefe Arbeitslosigkeit, eine erstarkende Währung: Die Regierung von Island kann jetzt dank guter Wirtschaftsentwicklung fast alle der verbliebenen Kapitalverkehrskontrollen aufheben.
17.03.2017 15:06
Blick auf Reykjavik, die Hauptstadt von Island.
Blick auf Reykjavik, die Hauptstadt von Island.
Bild: pixabay.com

Damit haben Bürger, Unternehmen und Pensionsfonds wieder vollen Zugang zum globalen Kapitalmarkt.

Mit dem Schritt endet ein acht Jahre währender Kampf um die Bereinigung der Folgen des Bankenzusammenbruchs im Jahre 2008, der zur schlimmsten Rezession seit mehr als sechs Jahrzehnten geführt hatte und den Inselstaat mit seinen 340'000 Einwohnern in politische Turbulenzen stürzte.

Ministerpräsident Bjarni Benediktsson erklärte, der letzte Schritt werde zu "mehr Vertrauen in die isländische Wirtschaft" führen. Bedeutsam sei insbesondere, dass Unternehmen nun nicht länger Devisen zurückbringen müssen. "Das wird direkte Auslandsinvestitionen erleichtern", sagte er in einem Interview im Anschluss an die Pressekonferenz.

Die Kontrollen werden zu einer Zeit aufgehoben, da Island boomt, wozu ein Rekordanstieg beim Tourismus beigetragen hat. Die Konjunktur steht sogar vor dem Risiko einer Überhitzung, da nach schrittweiser Lockerung der Kapitalverkehrskontrollen bereits Geld zurück auf die Insel fliesst.

Hohes Wachstum, tiefe Arbeitslosigkeit

Das Wirtschaftswachstum betrug im vergangenen Jahr 7,2 Prozent, getrieben von den Ausgaben der privaten Haushalte und Investitionen. Die Arbeitslosigkeit ist auf rund drei Prozent gesunken und die Inflation unter Kontrolle. Die Krone hat im vergangenen Jahr etwa 18 Prozent gegenüber dem Euro zugelegt - auch, weil Händler von den höheren Zinsen des Landes angezogen wurden.

Benediktsson zufolge hofft die Regierung, dass mit ihrem Massnahmen der Aufwertungsdruck auf die Krone nachlassen wird. "Wir haben keine genauen Hinweise, was als nächstes kommen wird", sagte er. Zwar hätten Pensionsfonds die in den letzten Jahren gewährten Ausnahmeregelungen voll in Anspruch genommen, die Öffentlichkeit sei jedoch nicht ins Ausland gestürmt, um zu investieren, nachdem andere Kontrollen gelockert wurden.

"Wir haben es eher mit einem Zufluss-Problem zu tun", sagte er. "Ich hoffe, dass es mit der Stärkung der Krone in den letzten Monaten zu der Situation kommt, dass sich die Pensionsfonds motiviert fühlen, ihre Auslandsinvestments zu erhöhen."

Die Zentralbank hat ihren Leitzins seit August zweimal gesenkt, um die Gewinne der Krone einzudämmen, nachdem die Inflation schwand.  Die Zentralbank hat auch Regeln verschärft "um eine spezielle Reservebasis für Parteien zu schaffen, die speziellen Reserveanforderungen unterliegen", um Zuflüsse nach Island zu begrenzen und die Krone in Schach zu halten.

(Bloomberg)