Acino-Deal: Verdacht auf Insiderhandel

Die Übernahme des Basler Pharmaunternehmens Acino könnte ein juristisches Nachspiel nach sich ziehen. Die kräfitgen Kurssprünge im Vorfeld der Offerte deuten darauf hin, dass einige Marktteilnehmer Insiderwissen hatten.
02.10.2013 13:09
Von Pascal Meisser
Das Pharmaunternehmen Acino soll von der Börse verschwinden.

Ein Blick auf den Dienstag-Chart der Acino-Aktie offenbart Merkwürdiges: Obwohl keine unternehmensspezifischen Neuigkeiten publik wurden, schoss der Aktienkurs des Basler Pharmaunternehmens beinahe 8 Prozent in die Höhe - und dies bei einem Volumen, das fünf Mal über dem Durchschnitt der letzten drei Monate lag.

Am Mittwochmorgen, also wenige Stunden später, wurde bekannt, dass die beiden Beteiligungsgesellschaften Avista Capital Partners und Nordic Capital Acino übernehmen wollen und den Aktionären 115 Franken je ausstehende Aktie anbieten. Dies entspricht einer Prämie von 33 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag sowie einem Aufschlag von 53 Prozent auf den volumengewichteten durchschnittlichen Kurs der Aktie der letzten 60 Tage. Der Kaufpreis soll sich auf knapp 400 Millionen Franken belaufen.

Die Indizien lassen darauf schliessen, dass einige Anleger bereits im Vorfeld Kenntnis von dieser Offerte hatten. Das würde auch erklären, weshalb das Volumen im Acino-Titel seit Wochenanfang überdurchschnittlich anzog. Auffälllig ist zudem die jüngste Kursentwicklung der Aktie. Seit dem 12. September, als der Titel auf dem nahezu tiefsten Stand seit zwei Jahren notierte, legte er bis Börsenschluss am Dienstag satte 20 Prozent zu.

«Es gibt immer Insider»

"Bei solchen Deals gibt es immer Insider. Das lässt sich nicht ausschliessen", sagt ein Marktteilnehmer, der namentlich nicht genannt werden möchte, zu cash. Allerdings seien die Aussichten, diese Insider rechtlich zu belangen, eher klein. "Wer einen solchen Wissensvorsprung ausnützen will, der versucht, seine Spuren zu verschleiern."

Ein Acino-Sprecher wollte den Kurssprung vom Dienstag nicht weiter kommentieren. "Der Vorwurf des Insiderhandels ist reine Spekulation", sagt der Sprecher. Die Börsenbetreiberin SIX Swiss Exchange, die bei solchen Vorfällen für die Einleitung einer Untersuchung zuständig ist, war bislang für eine Stellungsnahme nicht erreichbar.

Dessen ungeachtet springt die Aktie am Mittwoch gut 30 Prozent in die Höhe und notiert nur knapp unter dem Kaufangebot von 115 Franken. Dieses erfolgte durch die Pharma Strategy Partners, einer hundertprozentigen Tochtergestellschaft von Avista und Nordic Capital und wird laut Mitteilung einstimmig vom Verwaltungsrat unterstützt.

Anleger sollen Aktien andienen

Sowohl Analysten als auch Investoren empfehlen den Aktionären, ihre Titel anzudienen. Die Experten der Zürcher Kantonalbank und der Bank Vontobel begrüssen das Angebot. "Die einstimmige Unterstützung des Verwaltungsrats ist ein Hinweis, dass der angebotene Preis mit Sicherheit nicht zu niedrig ist", so die Bank Vontobel.

Wohlwollend äussert sich auch der Fondsanbieter Adamant Invest, der auf Anlagen im Biotech- und Pharmabereich spezialisiert ist, zum vorliegenden Angebot. "Die Prämie ist attraktiv. Mit dem angebotenen Preis können wir leben", sagt Adamant-CEO Cyrill Zimmermann zu cash. Aus langfristiger Investorenperspektive hätte er allerdings einen Verbleib Acinos an der Börse bevorzugt: "Das Unternehmen ist angesichts des guten strategischen Fits von der Börse zu tief bewertet worden. Längerfristig wäre ein noch höherer Aktienkurs möglich gewesen."

(mit Material von awp)