Actelion nach Rückzug von Johnson & Johnson unter Druck

Johnson & Johnson zieht sich überraschend aus dem Rennen um Actelion zurück. Ein strategischer Verhandlungspartner bleibe, so heisst es seitens der Allschwiler. Dennoch taucht die Aktie im frühen Handel.
14.12.2016 10:41
Von Lorenz Burkhalter
Hat Actelion-Chef Jean-Paul Clozel zu hoch gepokert?
Hat Actelion-Chef Jean-Paul Clozel zu hoch gepokert?
Bild: cash

Schon seit Tagen kommt die Aktie von Actelion kaum vom Fleck und die derivatseitigen Handelsaktivitäten ebben ab. Seit wenigen Stunden ist nun auch klar, weshalb: Johnson & Johnson zieht sich überraschend aus dem Rennen um den äusserst erfolgreichen Pharmahersteller aus Allschwil zurück - aufgrund zu unterschiedlicher Preisvorstellungen, wie es seitens der Amerikaner heisst.

An der Schweizer Börse wird die Actelion-Aktie für diese Neuigkeiten abgestraft. Zur Stunde taucht sie um 8,9 Prozent auf 189,90 Franken.

Dass der Aktienkurs nicht noch stärker fällt, ist darauf zurückzuführen, dass sich Actelion eigenen Angaben zufolge mit einer weiteren Partei bezüglich einer möglichen strategischen Transaktion im Gespräch befindet.

Ist es Sanofi oder doch eher Roche?

Erst vor gut einer Woche hatte Novartis durchblicken lassen, nicht für Actelion mitbieten zu wollen. Der Basler Gesundheitskonzern musste zuvor neben Roche und Pfizer als möglicher Käufer für den Rivalen aus dem Baselbiet herhalten.

Kursentwicklung der Actelion-Aktie in den letzten Wochen; Quelle: www.cash.ch

Nur wenige Tage später brachte die Nachrichtenagentur Bloomberg mit der akquisitionshungrigen Sanofi einen weiteren Interessenten ins Spiel. Gerüchteweise werden jetzt denn auch die Franzosen hinter der zweiten Gesprächspartei von Actelion vermutet. Dabei ist hinter vorgehaltener Hand von einem Transaktionsvolumen von 30 Milliarden Dollar die Rede. Angeblich war Johnson & Johnson zuvor mit einem 27 Milliarden Dollar (rund 250 Dollar je Aktie) schweren Angebot gescheitert.

Branchenkenner glauben allerdings nicht, dass Sanofi einfach so 30 Milliarden Dollar bieten kann. Denn während Johnson & Johnson auf Auslandsvermögen von bis zu 58 Milliarden Dollar hätte zurückgreifen können, kämen die Franzosen wohl nicht um eine Kapitalerhöhung zwecks Finanzierung herum.

Eine erste Verkaufsempfehlung für die Actelion-Aktie

Bliebe noch der Pharma- und Diagnostikkonzern Roche, welcher schon seit Wochen immer wieder als möglicher "weisser Ritter" ins Spiel gebracht wird. Roche könnte mit einer Minderheitsbeteiligung bei Actelion einsteigen, so heisst es.

Das hält den für das Aktien-Research von Standard & Poor’s tätigen Analysten jedoch nicht davon ab, die Aktie im Zuge der jüngsten Entwicklungen mit einem neu 198 (195) Franken lautenden 12-Monats-Kursziel von "Hold" auf "Sell" herunterzustufen. Da Actelion einen Bewertungsaufschlag von 80 Prozent gegenüber dem angeblich verbleibenden Interessenten Sanofi aufweist, glaubt der Experte nicht an eine solche Kombination.

Ähnlich äussert sich der für die UBS Investmentbank tätige Berufskollege. Seines Erachtens schätzt Actelion das kommerzielle Potenzial der Entwicklungspipeline ungleich höher als ein potenzieller Käufer ein. Die noch laufenden Verhandlungen mit dem zweiten Interessenten, dem Vernehmen nach Sanofi, könnten deshalb am selben Problem scheitern. Der Experte hält vorerst am "Neutral" lautenden Anlageurteil sowie am 12-Monats-Kursziel von 200 Franken fest. Allerdings gibt er zu bedenken, dass letzteres eine Übernahmeprämie von 30 Prozent beinhalte.

Alles sei nun vom Erfolg oder Misserfolg der Verhandlungen mit der zweiten Partei abhängig, heisst es hingegen bei Julius Bär. Wie der Analyst der Zürcher Bank weiter schreibt, hat sich das Chancen-Risiko-Verhältnis mit dem Rückzug von Johnson & Johnson deutlich verschlechtert. Er rät bei der mit "Hold" und einem Kursziel von 208,50 Franken eingestuften Aktie deshalb weiterhin zu Gewinnmitnahmen.

Für die Zürcher Kantonalbank steht fest, dass die Gerüchteküche auch weiterhin brodeln wird. Allerdings bleibe unklar, ob es zu einem offiziellen Angebot kommen werde, so relativiert die verantwortliche Analystin. Ihres erachtens besteht bei der mit "Marktgewichten" eingeschätzten Aktie ein beträchtliches Rückschlagsrisiko, sollte es zu keiner Transaktion kommen.