AFG Arbonia schlägt erneut zu - Aktie fängt sich

Nach der Geberit-Tochter Koralle übernimmt der Ostschweizer Bauzulieferer AFG Arbonia Forster den Rivalen Looser. Bei Analysten kommen die Pläne unterschiedlich gut an. Die Aktie fängt sich, verliert aber.
15.09.2016 11:36
Von Lorenz Burkhalter
Er zieht bei AFG die Fäden: Grossaktionär Michael Pieper.
Er zieht bei AFG die Fäden: Grossaktionär Michael Pieper.
Bild: cash

In der Schweizer Bauzulieferindustrie kommt es zu einem weiteren Schulterschluss. Wie seit dem frühen Donnerstagmorgen bekannt ist, bietet die Ostschweizer AFG den Anteilseignern von Looser 5,5 eigene Aktien sowie 23 Franken in bar. Gegenüber dem Schlusskurs vom Vortag entspricht das rechnerisch einem Aufpreis von knapp 40 Prozent.

Die Zustimmung der Aktionäre vorausgesetzt, soll das neu entstehende Unternehmen bei einem Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Franken einen operativen Gewinn (EBITDA) von 150 Millionen Franken erzielen.

Zur Stunde verliert die AFG-Aktie an der Schweizer Börse SIX noch 4,8 Prozent auf 15 Franken. Im frühen Handel wurden zeitweise sogar Kurse in der Region von 13,60 Franken bezahlt. Jene von Looser klettert im Gegenzug um 29,2 Prozent auf 102,10 Franken.

Für den Experten der Zürcher Kantonalbank kommt der Zeitpunkt der Übernahme ziemlich überraschend. AFG befinde sich nämlich inmitten eines anspruchsvollen Transformationsprozesses mit der Verlagerung von Produktionsstandorten nach Osteuropa, so gibt er zu bedenken. Seines Erachtens kommt mit der Übernahme und Integration von Looser nun eine weitere herausfordernde Aufgabe für das Management von AFG dazu.

Quantensprung aber auch "Flucht nach Vorn" für AFG

Dass die Geschäftsaktivitäten von Looser gut aufgestellt und hochmargig sind, wird die Integration seiner Meinung nach erleichtern. Allerdings wird der Kaufpreis als hoch bezeichnet und die erhofften Synergien kritisch hinterfragt. Der Experte wertet die Übernahme als positiv für die mit "Übergewichten" eingestufte Looser-Aktie, wegen des hohen Kaufpreises hingegen als leicht negativ für die mit "Marktgewichten" eingestufte AFG-Aktie.

Dem für Baader Helvea tätigen Analysten zufolge stellt die Übernahme von Looser aus Sicht von AFG in Bezug auf die Grösse, des Risikoprofils und die Handelbarkeit der eigenen Aktien ein Quantensprung dar. Allerdings komme die Transaktion auch ein bisschen in Form einer "Flucht nach Vorn" daher, so ergänzt der Experte. Er stuft die AFG-Aktie vorerst unverändert mit "Hold" und einem Kursziel von 14,80 Franken ein.

Kursverlauf der Looser-Aktie seit Jahresbeginn, Quelle: www.cash.ch

Optimistisch zeigt man sich hingegen bei Vontobel. Wie der für AFG zuständige Analyst in einem Kommentar schreibt, verbessert sich die Marktstellung im Türbereich durch die Übernahme von Looser deutlich. Er sieht durchaus Synergiepotenzial in der Transaktion und erwartet in gewissen Bereichen einen besseren Zugang zu den Märkten.

Der Ostschweizer Bauzulieferer im Kaufrausch

Gleichzeitig lässt der Experte jedoch durchblicken, dass die Übernahme ihren Preis habe. Dies selbst in der Annahme eines Verkaufs des Oberflächengeschäfts von Looser für 100 Millionen Franken. Dennoch nimmt der Analyst das ebenfalls "Hold" lautende Anlageurteil sowie das Kursziel von 14,50 Franken für die AFG-Aktie in positive Revision.

Nach der Geberit-Tochter Koralle sei Looser die zweite Grossübernahme innerhalb weniger Monate, so heisst es hingegen im Berufshandel. Einige alteingesessene Händler sehen sich an die aggressive Akquisitionspolitik früherer Tage zurückerinnert. Diese mündeten damals in schmerzhaften ausserordentlichen Goodwill-Abschreibungen.