Air-Berlin-Tochter - Das Ringen um die Niki-Rettung

Nach der gescheiterten Übernahme durch die Lufthansa wird händeringend nach einem Retter für die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki gesucht. Bis Ende Jahr soll eine Lösung gefunden sein.
15.12.2017 19:20
Ein Passagierflugzeug von Niki Luftfahrt hebt vom Flugplatz von Santorini, Griechenland, ab (Mai 2015).
Ein Passagierflugzeug von Niki Luftfahrt hebt vom Flugplatz von Santorini, Griechenland, ab (Mai 2015).
Bild: Bloomberg

Noch am Donnerstag nahm Insolvenzverwalter Lucas Flöther Gespräche mit möglichen Interessenten für die österreichische Fluggesellschaft auf. Die Zeit drängt: "Wir haben noch ein paar Tage Zeit, ehe Niki die Start- und Landerechte verlieren würde", sagte ein Sprecher Flöthers. Neben Firmengründer Niki Lauda sollen bereits weitere potenzielle Käufer die Hand gehoben haben. So denkt der Reiseveranstalter Thomas Cook über eine Übernahme nach.

Österreich prüft derweil einen Überbrückungskredit für das Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern. "Wir wollen, dass Arbeitsplätze und die Fluglinie gerettet werden", sagte Bundeskanzler Christian Kern.

Thomas Cook plane angesichts der gestiegenen Nachfrage einen Ausbau der Flugkapazitäten auf dem deutschen Markt, sagte ein Sprecher. Es würden Optionen geprüft, darunter der Erwerb von Niki oder Teilen der Airline. Thomas Cook hat bereits einen Blick in die Niki-Bücher geworfen, weil der Konzern mit seiner deutschen Gesellschaft Condor zu den ursprünglichen Bietern gehörte. Thomas Cook hatte gegenüber der Lufthansa das Nachsehen, doch die Übernahme durch die Kranich-Airline scheiterte. Niki meldete daraufhin am Mittwoch Insolvenz an.

Lösung bis Ende Jahr

Die Lufthansa hatte sich gegen eine Übernahme von Niki entschieden, da die kartellrechtlichen Bedenken der EU-Kommission zu gross waren. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verteidigte ihre harte Haltung: "Es war keine Überraschung für Lufthansa, dass wir den Plan kritisch gesehen haben." Die Kommission werde bis zum 21. Dezember entscheiden, ob die Lufthansa die Air-Berlin-Regionalflugtochter LGW übernehmen könne.

Für Niki will Air-Berlin-Sanierer Frank Kebekus bis Ende des Jahres eine Lösung finden. Er rechne in den nächsten Tagen mit neuen Angeboten, sagte er dem "rbb-Inforadio". Wenn es eine Lösung gebe, könne man sich sicherlich auch im Januar noch einmal die ein oder andere Woche nehmen, um diese dann festzuzurren.

Niki Lauda im Alleingang?

Die jüngsten Überlegungen von Thomas Cook dürften Niki-Insolvenzverwalter Flöther entgegenkommen, der auf ein Umdenken bei der Condor-Mutter oder der British-Airways-Mutter IAG hofft. Bei einem reinen Verkauf des Geschäftsbetriebs, wie er ihn nun plant, seien die Risiken für den neuen Eigentümer geringer, so Flöther. Auch IAG kennt schon die Niki-Bücher.

Firmengründer Lauda sagte im "ORF", er wolle für Niki ohne Partner bieten. "Alleine mach ich das jetzt, dann geht's schneller." Lauda hatte zusammen mit Condor den Hut in den Ring geworfen, aber gegen Lufthansa den Kürzeren gezogen. Die IAG hatte Air Berlin zufolge vor der Niki-Insolvenz signalisiert, dass sie kein Interesse mehr an einer Übernahme habe. Arbeitnehmervertreter gehen aber dennoch von mehreren Parteien aus, die Niki in Augenschein nehmen: "Mir ist bekannt, dass es drei bis vier Interessenten gibt", sagte der Vorsitzende der österreichischen Gewerkschaft GPA, Wolfgang Katzian.

Der österreichische Bundeskanzler dämpfte Hoffnungen auf eine schnelle Lösung. Jeder Interessent werde erst einmal das Unternehmen und die Rechtslage genau unter die Lupe nehmen, sagte Kern vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel. "An sich ist Niki ein überlebensfähiges Unternehmen." Die Wiener Regierung stehe in Kontakt mit dem Masseverwalter, der EU-Kommission und potenziellen Interessenten.

Werben um Niki-Mitarbeiter

Die Lufthansa-Töchter AUA und Eurowings warben unterdessen um Niki-Mitarbeiter. Austrian suche Hunderte Mitarbeiter, vor allem bis zu 200 fertig ausgebildete Piloten. Den Niki-Flugzeugführern biete die Airline eine spezielle "Fast Track Selection an". Für Flugbegleiter gebe es in der kommenden Woche ein Casting, welches sich speziell auch an Niki-Mitarbeiter richte. Eurowings stellte ehemaligen Beschäftigten von Air-Berlin und deren Tochtergesellschaften bei einer Bewerbung ein verkürztes Auswahlverfahren in Aussicht.

Nach Angaben des österreichischen Verkehrsministeriums drohen mit der Einstellung des Niki-Flugbetriebs in den nächsten zwei Wochen rund 5000 Passagiere zu stranden. Für die meisten von ihnen gebe es aber genügend Plätze auf anderen Flügen.

Laut Insolvenzverwalter Flöther beteiligen sich Condor, Eurowings, Germania, Lufthansa, Austrian Airlines und TUIFly an einer Rückholaktion. Zudem erhalten demnach fast alle Passagiere, die Flüge bei der insolventen Airline Niki gebucht haben, den gezahlten Flugpreis zurück oder werden umgebucht.

Bis zum Insolvenzantrag am Mittwoch seien rund 410.000 Niki-Flugtickets ausgestellt, die noch nicht genutzt worden seien. Davon seien rund 210.000 Tickets über Reiseveranstalter gebucht, die nun für die Umbuchung zuständig seien. Die Inhaber der 200.000 direkt bei Niki erworbenen Tickets erhalten laut Flöther – sofern sie ihre Tickets nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin Mitte August 2018 erworben haben – den Reisepreis voraussichtlich voll erstattet.

(Reuters)