Airline - Wie kommt Air Berlin in neue Hände?

Für die Zukunft von Air Berlin könnten am Donnerstag die Weichen gestellt werden. Dann berät der Gläubigerausschuss der insolventen Fluggesellschaft über die vorliegenden Angebote der Kaufinteressenten.
20.09.2017 16:32
Heckflossen mit Logos von Flugzeugen der Air Berlin (links) und Lufthansa auf dem Flughafen Tegel in Berlin: Kommt die Lufthansa bei Air Berlin zum Handkuss?
Heckflossen mit Logos von Flugzeugen der Air Berlin (links) und Lufthansa auf dem Flughafen Tegel in Berlin: Kommt die Lufthansa bei Air Berlin zum Handkuss?
Bild: Bloomberg

Sachwalter Lucas Flöther und der Generalbevollmächtigte der Airline, Frank Kebekus, werden dem Gremium eine Auswertung der Gebote vorlegen und könnten eine Empfehlung abgeben. Endgültige Entscheidungen sollen am 25. September fallen, wenn der Aufsichtsrat von Air Berlin tagt. Es folgen Szenarien, was am Donnerstag und in den nächsten Tagen passieren könnte:

Klare und schnelle Entscheidung

Das Amtsgericht Charlottenburg hat drei vorläufige Gläubigerausschüsse eingesetzt: für die Technik-Sparte, die britische Dachgesellschaft PLC und den wohl entscheidenden für die operative Einheit. In diesem Ausschuss für die Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG sitzen fünf Mitglieder, die die Interessen der Airline-Gläubiger vertreten: Vertreter von der Lufthansa-Tochter Eurowings, der Commerzbank, der Bundesagentur für Arbeit, von Air Berlin sowie ein Rechtsanwalt. Im Idealfall einigen sich die Beteiligten einstimmig auf einen oder voraussichtlich mehrere Käufer. Auch eine Mehrheitsentscheidung wäre möglich.

Am Montag sollen die endgültigen Entscheidungen fallen, wenn der Aufsichtsrat von Air Berlin tagt. Offen ist, ob dann schon notariell beglaubigte Kaufverträge vorliegen. "Es sind genug grosse Kanzleien beteiligt, die können das über das Wochenende schaffen", heisst es aus dem Umfeld der Verhandlungen. Neben dem Kaufpreis muss ein Abnehmer auch Überbrückungsgeld zahlen, um den Flugbetrieb bis zum Eigentümerwechsel aufrecht zu erhalten. Der kann erst nach einer Genehmigung durch die EU-Kartellaufsicht vollzogen werden.

Keine Entscheidung, Nachverhandlungen und Verzögerung

Problematisch wird es, wenn der Gläubigerausschuss sich nicht auf die Käufer einigt. Hintergrund könnte sein, dass man mit den Angeboten nicht zufrieden ist und Nachverhandlungen gefordert werden. Theoretisch möglich ist auch eine Patt-Situation von 2:2, da der Eurowings-Vertreter wegen des Lufthansa-Angebots und des damit verbundenen Interessenkonflikts nicht mit abstimmen darf. Solch ein Patt gilt aber als unwahrscheinlich, wie ein Beobachter sagte.

Wenn sich das Gremium so oder so nicht einigt und keinen Beschluss fällt, kommt der angepeilte Zeitplan ins Rutschen. "Dann werden sie nicht bis zum 25. September fertig", sagte ein Insider.

Zeitdruck wegen Kartellrechtlicher Prüfung der EU

Ob die Entscheidung am Montag fällt oder nicht - eines ist klar: Der immense Zeitdruck für die Rettung von Air Berlin oder zumindest grosse Teile davon bleibt. Denn die EU muss den Deal aus kartellrechtlicher Sicht absegnen. Im besten Fall dauert die vereinfachte Prüfung fünf bis sieben Wochen - je nachdem, ob noch Auflagen nachgereicht und geprüft werden müssen. In komplizierten Fällen kann eine sogenannte vertiefte Prüfung länger als ein halbes Jahr dauern. So lange dürfte der 150 Millionen Euro Staatskredit für Air Berlin kaum reichen. Also müssten die Käufer Geld vorschiessen, um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Insider rechnen mit grünem Licht der Kartellbehörde bis Jahresende. Der Finanzbedarf für diese Zeit wird auf etwa 300 Millionen Euro geschätzt. Dass die öffentliche Hand hier nochmal finanziell hilft, gilt als unwahrscheinlich.

(Reuters)